Mittellandroute – 1. Teil: die östlichen Etappen

Dieser Artikel enthält die Berichte der Etappen von Romanshorn bis Muri. Die Etappierung ist dieser Wandersite entnommen. Abweichungen sind möglich. Mehr Bilder auf meinem Flickr-Album.

Romanshorn – Weinfelden
15.4.2011

Romanshorn
Es ist die weiteste Anreise, die für diese erste Etappe zurückzulegen ist. So kann ich nicht anders, als während der Stosszeit loszufahren, um zu einer vernünftigen Zeit, halb elf, am Bodensee anzukommen. Mit einem Blick auf den See und Provianteinkauf hole ich mir noch einmal Kraft und marschiere los. Gemäss Wegweiser 5 Stunden 40 Minuten Marschzeit.
Erst durch die Hautpstrasse von Romanshorn und dann einen Haken schlagen, in den Neuwald. Dort entdecke ich einen Waldlehrpfad. Originell daran ist, dass in der Mitte des Plakats ein Stück ausgeschnitten ist, durch das man genau den Gegenstand sieht, der auf dem Plakat beschrieben ist. Wenn ich noch einmal wandernderweise nach Romanshorn kommen sollte, werde ich sicher diesen Waldlehrpfad mit einplanen.
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Leider fand ich im Wald keine Wegweiser mehr und so geriet ich zurück auf die Hauptstrasse, die mich ausser Plan nach Amriswil führte. Immerhin durchgehend mit Trottoir. Mit Hilfe von Google-Maps auf dem iPhone und etwas Phantasie schlug ich mich von Amriswil zum Etappenort Kümmertshausen durch.
bei Kümmertshausen
Dort fand ich nicht nur viele blühende Obstbäume, sondern auch wieder einen Wegweiser, der mir verriet, dass ich jetzt genau in der Mitte der Etappe war. Ich konnte auch beruhigt feststellen, dass mich der kleine Irrgang nur 10 Minuten gekostet hatte. Auch die Beschilderung stimmte jetzt. Mit Ausnahme zweier kleiner Stücke im Wald, befand ich mich auf einer Art Höheweg mit Aussicht nach Süden. Die Ebene zwischen Amriswil und Weinfelden ist auch Wasserscheide zwischen den Bächen, die Richtung Bodensee fliessen und der Thur.
Pferdeidylle
Nach dieser Pferdeidylle in Guggenbühl kam ich nach Leimbach und sah dort den Hügel, den man überquert um nach Kreuzlingen zu kommen. Nicht nur Obstplantagen gab es an diesem Weg zu sehen, sondern auch Gemüsefelder, wo bereits die Setzlinge gesteckt waren. In Mauren versprach mir der Wegweiser noch genau eine Stunden Marschzeit und dort sah ich auch den Zug aus Kreuzlingen den Hügel hinunter schleichen. So wusste ich: den nächsten erwische ich bequem. Ein gerader Feldweg führte mich nach Weinfelden und ich brauchte nur 40 Minuten, so dass ich schliesslich die erste Etappe mir 5 Stunden 30 Minuten abschliessen konnte. Weinfelden genauer anzuschauen, spare ich mir für die nächste Etappe.
Zeiten: Romanshorn ab 10.40, Neuwald 11.20, Amriswil 12.10, Kümmertshausen 13.40, Guggenbühl 14.05, Leimbach 14.50, Mauren 15.25, Weinfelden 16.10

Weinfelden- Frauenfeld
23.4.2011

Weinfelden

Nicht ohne noch einen Blick ins Städtchen zu werfen, wo sich die Baustile fröhlich mischen, starte ich meine Wanderung. Vom Bahnhof aus durch ein Häuschen- und ein Industriequartier geht es Richtung Thur. Der Steg über die Thur ist aber leider gesperrt, dass ich flussabwärts zur nächsten Strassenbrücke gehen muss. So bin ich von Anfang an nicht mehr auf den von Mittellandroute vorgeschlagenen Wegen. Aber nach der Brücke, in Amlikon, finde ich Wanderwegweiser nach Frauenfeld und fühle mich so auf sicheren Pfaden. Es geht hinauf – und den Rest des Weges werde ich auf der Höhe bleiben. Ueber die Felder komme ich durch den Weiler Leutmerken, den ich leider verpasst habe zu fotografieren. Er liegt auf einer kaum  bemerkbaren Krete und der Wanderweg führt schön zwischen Kirche und Dorfbeiz hindurch.

Gesslerbrücke

Nach viel Feld führte der Weg auch mal in den Wald und über eine Brücke mit dem verheissungsvollen Namen „Gesslerbrücke“. Danach ging es aber nicht durch die hohle Gasse, sondern wieder hinauf aufs Feld. Dort befand ich mich umvermittelt in Ostpreussen, in Tilsit. In Wirklichkeit handelt es sich um den Holzhof, wo Tilsiter produziert wird, der sich den Ursprungsnamen des Käses zugelegt hat. Hier ist auch der Mittelpunkt der Tagesetappe.

Vielversprechend, wenigstens dem Namen nach, ist die nächste Station: Lustdorf. Hier bin ich wieder bei der Hauptstrasse, aber es hat zu Glück auch einen Feldweg dem Hang entlang, der mich nach Thundorf führt. Dieser Ort ist bereits etwas grösser und die wenigen Bauernhäuser, aber vielen Einfamilienhäuser verraten mir, dass die Stadt nicht weit sein kann, auch wenn ich noch nichts von Frauenfeld sehe. Beim weitergehen aber noch ein Blick nach oben.

Kirchberg TG

Ich bin ja nicht der Typ, der ein Dörfchen als „putzig“ bezeichnen würde. Aber bei Kirchberg oberhalb von Thundorf kommt mir kein besserer Begriff in den Sinn. Schön kompakt, wie im Bilderbuch. Schliesslich komme ich nach Dingenhart, über ein letztes Feld und, begleitet, resp. überholt von Joggern, hinein ins Mühletobel. Wieder ein Waldlehrpfad, den ich diesmal ignoriere. Die Müdigkeit treibt mich paradoxerweise an, schneller zu marschieren und ich erreiche den Bahnhof Frauenfeld knapp unter der Vorgabe von 5 Stunden.
Zeiten: Weinfelden 12.25, „Tilsit“ 14.45, Lustdorf 15.20, Dingenhard 16.25, Frauenfeld 17.15

Frauenfeld – Winterthur
16.5.2011






Heute war ein gemütlicher Teil angesagt, keine vier Stunden, die Wanderung von Frauenfeld nach Winterthur. Ich nahm es auch gemütlich und kam erst nach 13 Uhr in Frauenfeld an. Noch ein paar Schritte in der Altstadt, noch etwas dem Bähnchen Richtung Wil nach und dann nach Westen. Ich überquerte das Flüsschen Murg, ein Einfamilienhausquartier und kam dann in den Wald. Der Geruch des feuchten Waldes ist einfach unvergleichlich.
Nach dem Wald ging es zwischen Raps und Runkelrüben zu einem Weiler namens Rosenhuben. Er gehört zu Gachnang, wo ich anschliessend hinkam. Dort fand ich etwas, was ich so noch nie gesehen habe: Trauerbäume. Junge Bäume stehen in einem Quadrat um einen grossen herum. Gemäss einer Tafel ist jeder Baum einer oder mehreren Personen gewidmet. Leider weiss ich nicht, was dahinter steckt.
Am Ortsausgang war eine Weide mit Ziegen und drei Alpakas. Das eine Tier rannte sofort zum Zaum und zischte mich an. Mit ein bisschen Abstand konnte ich aber doch ein paar Bilder machen. Anschliessend fand ich an einer Waldecke eine Linde. Sie erinnerte mich an diverse Lieder, wo Linden eine Rolle spielen. Gleich bei dem Baum war ein Grenzstein. Erstmals überschritt ich auf meiner Wanderung eine Kantonsgrenze – der Thurgau war jetzt hinter mir, ich war jetzt im Kanton Zürich.
Fast eine Stunde war ich jetzt unterwegs bis zum nächsten Dorf, bis Bertschikon. Ein kleines Dorf, mit einigen schönen Riegelhäusern. Und, auf einem der ersten Häuser, die ich sah, wehte eine Berner Fahne. In der Ferne sah ich aber nicht Bern, sondern Winterthur. Zuerst kam aber noch Wiesendangen. Hier führt der Dorfbach mitten durchs Dorf und gibt dem Ganzen ein charakteristisches Flair. Man hat nicht das Gefühl in einem Vorort einer Grossstadt zu sein. Ist man aber, denn schon sah ich die Industriegebäude von Oberwinterthur. Nur noch eine Graspiste, wo vor tieffliegenden Flugzeugen gewarnt wird, war zu überqueren und bald war ich beim Technorama (montags zu) und beim Bahnhof Oberwinterthur. Dort nahm ich den Bus zum Hauptbahnhof. Eine gute Wahl, denn er führte mich durch die Quartiere vorbei an Kantonsschule, Musikschule, Brauerei Haldengut und Kantonsspital. Letzere unmittelbar nebeneinander.
Zeiten: Frauenfeld 13.30, Rosenhuben 14.20, Gachnang 14.40, Bertschikon 15.40, Wiesendangen 16.10, Oberwinterthur 16.55
Winterthur – Zürich
18.5.2011

Es sollte eine Wanderung von Stadtrand zu Stadtrand werden. Ich nahm in Winterthur den Bus zum Bruderhaus, mitten im Wald. Dort konnte ich Przewalski-Pferde bewundern. Aber nicht lange, denn ich hatte noch viel Weg vor mir. Ich folgte den Wegweisern nach Effretikon und gelangte so an die Töss. Eigentlich sollte die Stadt ja Tössfelden heissen, aber man hat nicht etwa die Thur der Töss vorgezogen, sondern das Thur im Namen kommt von Durum, dem keltischen Wort für Burg.
A propos Burg – die Kyburger kommen aus dieser Gegend und Kyburg hiess auch der Golfplatz, zu dem ich als nächstes kam. Dort musste ich mit entscheiden, ob ich den direkten Weg nach Effretikon einschlagen sollte, oder via Ottikon, wie es Mittellandroute vorschlägt.
Ottikon
Ich entschied mich glücklicherweise für letzteres und wurde mit einer Wanderung über eine Hochebene mit wunderbarem Panorama belohnt. Auch Ottikon selbst ist ein hübsches Dörfchen. Von dort aus, stieg ich ins Kemptal hinunter. Der Kemp entlang kam ich zur Ost-West-Eisenbahnlinie und wiederum dieser entlang nach Effretikon. Ein gutes Drittel war geschafft.
Nach dem Industriegebiet von Effretikon kam ich wieder in einen Wald und bald hörte ich Kinderschreie, als wäre eine Badi in der Nähe. Und so war es auch – sie gehört, nehme ich an, zu Kindhausen. Kurz darauf betrat ich offenes Land, überquerte die Autobahn und stand an der Piste des Militärflugplatzes von Dübendorf. Dübendorf selbst durchquerte ich nicht, aber einige dazugehörige Weiler, wie Gfenn, mit einer interessanten alten Kirche aus dem 13. Jahrhundert.
Das Glatttal ob Dübendorf hat auch seine ländliche Seite. Ich ging an einem Feld vorbei, wo gerade gepflügt wurde. Zu meinem Erstaunen schwärmten nicht nur Krähen hinter dem Pflug, sondern auch Störche suchten Nahrung in den frischen Furchen.
Dübendorf
Etwa eine Stunde dauerte die Durchquerung der Ebene, dann kam wieder ein Aufstieg. Ein steiler sogar. So kam ich nach Geeren, eine Art Hors-Sol-Wohnquartier von Dübendorf mit neuen Häusern, adretten Gärten und Platz, wo die Kinder auf Wiese und im Wald spielen können. Ich war jetzt auf einem Hügelzug, etwa auf Höhe des Zürichbergs. Langsam würde die Spaziergängerdichte höher, Jogger und Walker gesellten sich dazu und als ich die ersten Kinderwagen sah, wusste ich auch ohne Wegweiser, dass der Zoo nah war. Nach knapp sechseinhalb Stunden stand ich dann vor dem 6-er Tram. Die bisher längste Etappe war gemeistert.
Zeiten: Winterthur Bruderhaus 11.30, Golfplatz Kyburg 12.30, Ottikon 13.25, Effretikon 14.10, Gfenn 15.55, Hermikon 16.20, Geeren 17.05, Zürich Zoo 17.50



Zürich – Bremgarten – Muri
10./11.6.2011

Da die fünfte und sechste Etappe der Mittellandtour relativ kurz sind, habe ich sie auch gleich an aufeinanderfolgenden Tage gemacht. Dass der Kanton Zürich bereits abgehakt ist, liegt daran, dass die Etappe Winterthur – Zürich recht lang ist, und dass ich die beiden Städte mit dem öV durchquert habe.
So war Startpunkt der fünften Etappe an der Tramendstation Albisrieden. Dort ging es bereits steil aufwärts, was mir eine grosszügige Aussicht auf Zürich bot. Auf der Westseite des Hügels traf ich auf eine Sternwarte und das Dorf Uitikon. Vom schmucken Dorf ging es hinunter zum industrialisierten Talgrund, nach Birmensdorf. Dort traf ich auf eines der Geheimnisse der Wanderwegmarkierung. Ich ging der Strasse entlang, traf auf den Wegweiser „Wanderweg“ nach rechts, 200 m später Wanderweg nach links, nochmal 200 m wieder nach links und bald war ich wieder auf derselben Strasse, hatte nur doppelt soviel Weg zurückgelegt, wie wenn ich auf ihr geblieben wäre. Danach konnte ich die Strasse aber definitiv verlassen, den Hügel hinauf und über den Tunnel der neuen Autobahn nach Lieli. Wieder auf freien Feld bot sich mir die Aussicht über die Reussebene und konnte bereits erahnen, wo mich die morgige Etappe durchführen würde.
Ein steiler Weg führte mich durch den Wald hinunter und als ich unten ankam, wollte mich der gelbe Wegweiser wieder den Hügel hinaufschicken. Ich liess es bleiben und wählte ein Strässchen, das mich bequem nach Bremgarten führte.
Zeiten: Albisrieden 12.30, Uitikon 13.15, Birmensdorf 14.00, Lieli 15.00, Oberwil 15.20, Bremgarten Bahnhof 16.20
Bremgarten
Am folgenden Tag begann ich eine kleine Stadtbesichtigung am Obertor. Von dort aus ging ich zur Reussbrücke hinunter und versuchte mir vorzustellen, wie das war, als dies der einzige Reussübergang weit und breit war. Und das noch bis in die siebziger Jahre.
Mein Weg führte der Reuss entlang stromaufwärts. Etwas oberhalb Bremgartens liegt das Kloster Hermetschwil, dem Pendant des Klosters Muri für Nonnen. Bis zur Gründung des Kantons Aargau war dieser Teil des Landes noch katholisch, der neue Kanton hob dann die Klöster erst mal auf. Heute ist es wieder ein Kloster und, wie die Beschreibung sagt, werden dort u.a. Hostien gebacken.
Nur wenig weiter flussaufwärts kommt man aus dem Wald ins Naturschutzgebiet Unterlunkhofen. Beidseitig der Reuss ist ein Damm und man sieht, dass der Wasserspiegel höher ist, als die umliegenden Felder. In Bremgarten und beim Kloster ging ich über gedeckte Holzbrücken. Ich hoffte es gebe noch weitere, aber nein, es folgten nur noch „normale“ Betonbrücken. Auch die Brücke Werd. Hier war der Punkt, an dem ich von der Reuss Abschied nahm und hinauf Richtung Muri weiterzog. Noch einmal Panorama über die Reussebene, diesmal ostwärts und schon lief ich in Muri ein.
Kloster Muri
Gleich neben dem Bahnhof der Fussballplatz, wo gerade ein Spiel stattfand und, noch wichtiger, das Kloster. Einmal rundherum und eine kleine Rast auf dem Klosterhof, wo moderne Skulpturen ausgestellt sind. Ein Bus hier, eine Gruppe Leute dort, das Kloster ist nicht nur architektonisch das Zentrum des Dorfes – nebst dem Fussballplatz.
Zeiten: Bremgarten Reussbrücke 13.15, Koster Hermetschwil 13.55, Brücke Rottenschwil 14.35, Brücke Werd 15.00, Althäusern 15.30, Muri Bahnhof 16.05
Hiermit habe ich meine Etappen „östlich der Reuss“ (erinnere die Radio-Musik-Box) abgeschlossen. Weiter geht es hier

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