Mittellandroute – 2. Teil: die mittleren Etappen

Muri – Beinwil am See
16.7.2011
Noch einmal fuhr ich nach Lenzburg um von dort mit der Reusstalbahn nach Muri zu gelangen. In Muri ging es gleich mal hinauf über die Felder und an einer Hirschfarm vorbei.
Ob Muri
Neugierig und scheu zugleich schauten die Hirschlein dem Wanderer nach. Ich fürchte, sie werden die Wildsaison nicht überleben, obwohl sie gar nie wild waren.
Auf dem Berg oben ist das Dorf Buttwil das ich noch von einem Bierausflug kenne, denn dort hat es eine Kleinbrauerei. Das Essen in der Dorfbeiz hatte uns damals aber mehr überzeugt, als das Bier. Das Besondere an Buttwil ist aber, dass es sogar einen Flugplatz hat. Der Anflug geht über den Wanderweg und man muss sich erst versichern, dass nicht gerade ein Flieger kommt. Aber heute war wohl nichts los.
Beim Flugplatz ging es in den Wald und heraus kam ich auf der Seetalseite. In Müswangen musste ich mich entscheiden, ob ich gemäss Wandersite nach Beromünster gehen sollte oder, wie zuhause geplant, Richtung Reinach. Ich hatte nämlich die Idee, den Heimweg mit der Wynentalbahn zu beginnen.
Ok, Reinach, beschloss ich und wanderte Richtung Mosen am Hallwilersee. Der Abstieg war ziemlich steil und mir wurde schnell klar, dass es auf der anderen Seite ähnlich steil hinaufgehen würde.
Am See angekommen änderte ich meinen Plan gleich wieder und marschierte dem Ufer entlang weiter nach Beinwil.

Beinwil Hafen

Das Westufer des Hallwilersees ist das Steilufer. Vom Beinwiler Hafen ging es recht steil hinauf zum Dorfzentrum. Noch eine Stunde bis Reinach oder … Ich entschied mich für „oder“ und bestieg den Zug der Seetallinie nach Lenzburg.
Zeiten: Muri 11.20, Buttwil 12.10, Hämikon Berg 13.20, Hämikon Dorf 13.40, Altwies 14.15, Beinwil Hafen 15.20
Beromünster – Sursee – Willisau
1.8.2011
Am 1. August hiess es wieder mal „Go West“. Dazu musste ich aber erst ostwärts fahren, nach Beromünster. Auf einem kleinen Umweg, denn ich wollte einmal mit der Wynentalbahn fahren – also via Aarau. In Menziken noch ein Stück mit dem Bus. Die letzte Etappe hatte ich ausser Plan in Beinwil am See abgeschlossen, die Fortsetzung startete ich wieder gemäss Mittellandroute.
Beromünster wird von zwei Dingen geprägt: Dem Chorherrenstift, einer Art Altersheim für Priester und dem Radiosender.
Beromünster
Nun, der Landessender Beromünster sendet nicht mehr. So konnte ich nicht mit einem Energieschub auf meiner Wanderung rechnen. Der war allerdings beim Abstieg nach Sursee auch nicht nötig. Schon bald war ich am Sempachersee und das Strandbad lockte die Leute und hätte auch mich gelockt, aber ich hatte noch einiges vor. Auch für die Altstadt von Sursee hatte ich zuwenig Zeit. Das Stadt und der See sind einen Extra-Ausflug wert. Hier noch das stattliche Stadthaus:
Sursee Gemeindehaus
Am westlichen Ende von Sursee ging es wieder kräftig hinauf. Zuerst an einem Betonkomplex vorbei, der sich Campus Sursee nennt und ein Ausbildungszentrum für Baumeister ist. Je höher ich kam, desto schöner die Aussicht. Erstmals sah ich den Mauensee fast ganz. Aber es war ein anstrengender Aufstieg und der Berg hiess auch entsprechend: Leidenberg. Von dort an ging es wieder leicht abwärts durch Wald, Feld und am Schluss einem lauschigen Bächlein und den ersten Häusern von Grosswangen entlang. Willisau war bereits relativ nahe und der Hügel der mich noch davon trennte, schien mir nicht besonders anspruchsvoll. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Luzerner Wanderwege gemacht. Die hatten nicht nur die steilstmögliche Führung gesteckt, sondern auch die, welche über den höchsten Punkt führte.
Das wiederholte sich gleich noch einmal und dann begann der Abstieg. Als erstes eröffnete sich mir der Blick auf ein riesiges Industriegebäude. Fast zweifelte ich, am richtigen Ort zu sein, aber dann, nach der nächsten Kurve sah ich auch den historischen Teil von Willisau und war beruhigt.
Ich hatte auch deutlich Vorsprung auf die Marschtabelle, aber doch zu wenig, denn die S-Bahn nach Langenthal hatte ich um ein paar Minuten verpasst. Die nächste Verbindung nach Bern war via Wohlhusen durchs Entlebuch. Ich fuhr aber gleich bis Luzern, denn der IR Luzern – Bern hat Stecker in den Wagen und so konnte ich mein iPhone wieder aufladen und Musik hören.
Die Zeiten: Bermünster 11.25, Waldi 12.10, Schenkon 12.45, Sursee 13.20, Leidenberg 14.15, Grosswangen 15.00, Ankenloch 16.05, Willisau 16.30
Willisau Huttwil
13.8.2011
Die neunte Etappe ist eine relativ kurze von knapp vier Stunden. Sie begann mit einem gemütlichen Spaziergang durch das samstägliche Willisau und führte dann auf den Wilbrig, von wo aus ich eine schöne Aussicht auf das Städtchen hatte.
Willisau
Ich befand mich auf dem nationalen Wanderweg Nummer vier. Abwechslungsreich mal auf Betonplattenwegen, mal auf schmalen Waldpfaden und immer auf der Höhe, dass man einen guten Ueberblick hatte. Ruhig war es. Hatte ich bisher doch immer von irgendwoher Autobahnrauschen oder etwas Flugverkehr im Ohr, was es diesmal nur Ruhe oder Kuhglocken. Nur ab und zu ein Motorrad von einer nahen Strasse, denn Sonne mit leichter Bewölkung locken nicht nur Wanderer. D.h. überhaupt keine Wanderer, denn andere Menschen traf ich nur in den Dörfern an. In Oberwil begegnete ich ausserdem einer Voliere voller Papageien. Die waren alles andere als ruhig – dort möchte ich nicht Nachbar sein.
Obwohl der Weg hier über viele Bauernhöfe führte, hatte ich keine Probleme mit Hunden. Nur einer trottete auf mich zu um mich zu beschnuppern. Nur in Stoss wurde ich von zwei kleinen (!) Hunden kräftig angebellt, bevor der Weg durch einen Steinbruch führte. Ob man sich auf dieser Passage werktags wohl fühlt? Gleich nach dem Steinbruch musste ich mich entscheiden, ob ich den kleinen Aufstieg nach Ufhusen machen wollte oder den direkteren Weg nach Huttwil wählen sollte. Ich wählte ersteres und passierte schon bald eine Gruppe junger Kühe, die sich zum Glück darauf beschränkten, mich neugierig anzuschauen. In Ufhusen verpasste ich eine Abzweigung und landete auf dem dortigen Aussichtspunkt, was sich aber auch lohnte. Ein Stück zurück auf den richtigen Weg und dort traf ich auf folgenden Wegeweiser:
Wegweiser
Nach meinen Berechnungen hätte ich in einer halben Stunde in Huttwil sein sollen. Ich hatte also ziemlich Zeit verloren, wenn auch nicht soviel, dass ich mich um eine Uebernachtungsmöglichkeit hätte bemühen müssen.
Aber schon bald hörte ich ein Geräusch, das man wohl nur in der Schweiz an einem gemütlichen Samstagnachmittag hört: Schiesslärm. Mein Weg führte gleich neben dem Schiessstand von Huttwil vorbei und ich war auch viel eher dort, als obiger Wegweiser voraussagte. Nicht vom Schiesstand, sondern von der Stadt machte ich ein paar Bilder. Auch vom Hotel Mohren (das Haus mit der gelben Fassade links hinten), wo ich vor vielen Jahren eine Woche lang an einem Kurs war. Ob man dort immer noch so gut isst?
Huttwil
Huttwil also – endlich im Bernbiet! Und in der Mitte? Ja und nein. Die Hälfte der Etappen ist erledigt. An Wanderzeit habe ich aber erst 42 von 93 Stunden hinter mir. Andererseits ist Huttwil deutlich weiter westlich als der geographische Mittelpunkt der Schweiz, die Alp Älggi in Obwalden. Das liegt daran, dass die Schweiz im Westen „schlanker“ ist. Was sagt der Routenplaner? Bis Romanshorn 153 km, bis Genf hingegen 188 km. So richtig in der Mitte der Tour werde ich also erst nach der zehnten Etappe sein.
Die Zeiten: Willisau 11.55, Stocki 13.10, Oberwil 13.30, Ufhusen 14.15, Huttwil 15.40


Huttwil – Lützelflüh
3.10.2011
In weitem Bogen, via Bern und Langenthal, fuhr ich nach Huttwil. Dort, so meint die Wandersite, solle man als erstes auf einen Aussichtspunkt namens Gummen gehen. Die Berner Wanderwege sind offenbar anderer Meinung und erwähnen auf dem Wegweiser weder den Gummen noch das dahinter befindliche Dorf Wyssachen. Immerhin war Sumiswald angeschrieben und auf diesem Weg erreichte ich Wyssachen trotzdem. Wohl mit weniger Steigung, aber die kam noch.
Wenn man im Zusammenhang mit dem Emmental von den sanften, grünen Hügeln spricht, darf man nicht vergessen, dass diese Hügel erst erklommen werden müssen. Und die Steigung, die es zu überwinden gilt, ist nicht besonders sanft. Ist man aber mal oben, führt der Weg oder ein Strässchen dem Hügelrücken entlang. Dort sieht man sie dann, links und rechts, die sanften Hügel des Emmentals und – im Dunst – die Berner Alpen.
Ob Lützelflüh
So hätte es bleiben können bis Lützelflüh, aber zwischen durch gab es einen Abstieg nach Sumiswald. Quasi ein Hügelwechsel. Also nochmal steil hinauf und dann die Höhe geniessen. Ab und zu geht es durch eine Häusergruppe, mal sogar an einem Schulhaus vorbei und ich frage mich, woher da die Schüler kommen. Aber privilegiert sind diese Lagen. Steil hinunter geht es wieder nach Lützelflüh. Durch dieses Dorf geht man natürlich nicht ohne an den berühmtesten Einwohner zu denken. Aber ich muss zugeben, dass mir Gotthelfs Geschichten nur schwach präsent sind. Spannend wäre es sicher, könnte er die heutigen Zustände beschreiben

Lützelflüh

Die Zeiten: Huttwil 12.15, Wyssachen 13.00, Oberwald 13.45, Schonegg 14.15, Sumiswald Post 15.15, Egg 16.00, Lützelflüh 17.00
Lützelflüh – Bern 
12.10.2011
Schon in Richtung nach Schafhausen, ging es über einen ersten Hügel, aber diesmal störte ich mich nicht daran, denn die Aussicht lohnte sich. Über das Emmental, also das mit der Emme, bis nach Burgdorf.
Anders sah ich bereits den zweiten Aufstieg von Schafhausen aus. Nach einem steilen, rutschigen Weg kam ich oben auf demselben Strässchen an, das ich weiter unten verlassen hatte, als ich dem gelben Wegweiser folgte. Sofort beschloss ich, nur noch die Strasse zu benützen, was bei einem Auto pro zehn Minuten auch gut vertretbar war. Diese führte auf dem Hügelrücken über Felder und durch den Wald mit Blick ins Biembachtal rechts und ins Bigental links.
Schönbrunnen Richtung Bantiger
Bei der Käserei Schönbrunnen musste ich mich entscheiden: Über die Menziwilegg nach Worb oder gleich hinab nach Boll. Der Ausblick nach Norden gab mir die Antwort. Ich sah alle Berner Hügel – Gurten, Dentenberg, Längenberg, den Ulmiz und natürlich den Bantiger. So zog es mich auch in diese Richtung. Den Weg nach Boll zeigte mir der Stämpach. Eigentlich ein harmloses Bächlein. Aber in den Jahren 1986 und 87 überschwemmte der Stämpach das nach ihm benannte Boller Quartier gleich dreimal. An der S-Bahn-Station von Boll endete der Marsch bereits.

Die Zeiten: Lützelflüh 11.30, Schafhausen 12.10, Aebeläng 12.45, Käserei Schönegg 14.00, Utzigen 14.45, Boll 15.20

(Bern) Thörishaus – Freiburg
8.10.2011
Erstmals habe ich eine Etappe im Blog ausgeschrieben und fand mit Helmut und Martin zwei Mitwanderer. Am Startpunkt Thörishaus entliess uns die S2 in die feuchte Natur zu sechs Stunden Wanderung.

Thörishaus

Über das Sensebrüggli betraten wir Freiburger Boden. Nach einem kurzen Aufstieg wurden wir von einem übermütigen Boxer (Hund) empfangen. Er hüpfte von einem zum anderen und wir befürchteten, er würde mit uns kommen. Aber er erinnerte sich rechtzeitig an sein Zuhause und wir konnten weiter gehen. Die erste Ortschaft, die wir erreichten war Ueberstorf. Von dort ging es durch ein Tälchen mit einem Weiler namens Ledeu, dann am Rande einer Schlucht hinauf nach Niedermuhren.
St. Antöni liegt auf einer Anhöhe und der Wanderweg beschreibt einen Bogen, so dass man das Gefühl hat, man gehe wieder zurück. Tatsächlich zeigt eine einzelner Wegweiser sowohl nach Freiburg wie nach Thörishaus. Kurz darauf trennen sich die Wege wieder und ein steiler Aufstieg führt noch einmal von 670 auf 780 Meter. Danach sahen wir auf Tafers hinunter, liessen es aber rechts liegen und bogen Richtung Fribourg-Bourgillon ab.
Erst dachte ich, wir würden so die Galteraschlucht umgehen, was angesichts der rutschigen Wege auch sinnvoll gewesen wäre. Als wir dann die Galtera kreuzten, entschlossen wir, doch durch die Schlucht zu gehen. Ein guter Entscheid, denn die Schlucht ist wirklich sehenswert. Dem Fluss entlang kommt man bis an ein Stadttor und das Quartier Auge von Freiburg. Über die Holzbrücke, zur Kathedrale und zum Bahnhof war die Route der letzten 20 Minuten. Ein paar Bilder mehr gibt es in meinem Flickr-Album.
Die Zeiten: Thörishaus 11.40, Riederen 12.05, Uebertorf 13.05, Ledeu 13.30, St. Antöni 15.05, Ameisibrüggli (Gotteronschlucht) 16.20, Fribourg Auge 17.20.
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