Wien 2012

Samstag, 18. August

Es war ein langer Tag, denn ich erwachte schon um vier Uhr morgens. So war ich schliesslich auch eine Stunde früher im Flughafen, als geplant. Es hatte bereits viele Leute. Da ich am Automaten eincheckte, konnte ich aber an der kürzeren Schlange anstehen. So „genoss“ ich die übliche Langeweile vor dem Flug.
In Wien angekommen, kaufte ich mir gleich eine Wochenendkarte für den ÖV und fuhr mit der S-Bahn in die Stadt. Die Wegbeschreibung und die Recherche auf Maps waren so gut, dass ich das Haus mit meiner Ferienwohnung problemlos fand. Eine Parterrewohnung mit Fenster in den Innenhof, also relativ kühl, was natürlich bestens passt. Kaum ausgepackt, hiess es Vorrat einkaufen, bevor die Läden schliessen. Dann konnte die Stadtexkursion beginnen.
Ich spazierte dem alten Donaukanal entlang bis zum Schiffshafen am Schwedenplatz, wo ich gleich nach den Abfahrtszeiten des Schiffes nach Bratislava schauen konnte. Bereits ein Programmpunkt für Montag. Dann ging es in die Stadt hinein, direkt hierhin:
Stephansdom
Hier wurde ich gleich daran erinnert, dass am Samstag „Al Quds“-Tag war – Feiertag der Islamisten. Die österreichischen Antifas sind schon auf dem neuesten Stand, wie mit dieses Transparent zeigte. Ja, Antifanten mit einer Israel und einer USA Flagge … wirklich erstaunlich.
Aber mit war nicht nach Politik. Ich wollte sogleich einen „Auftrag“ erfüllen, den mir Hausfrau Hanna gestellt hatte. Ich ging ins Katzencafé:
Katzencafé
Mein Gegenüber zeigt allerdings kein Interesse an Konversation und schlief weiter, als ich mich an den Tisch setzte. Auch die anderen Katzen verhielten sich ziemlich passiv zwischen den Tischen. Sie sind hat den Kaffee-Betrieb gewohnt.
Ich kreuzte noch ein bisschen weiter in der Altstadt herum und landete schliesslich vor dem Rathaus. Kulturell herrscht in Wien gerade Flaute, aber die Stadt spendiert den Bürgern ein Open Air Festival bestehen aus Musical- und Konzertfilmen. Die leeren Stühle auf dem Bild hier täuschen, alle waren schon mit Jacken und dergleichen besetzt. So hatte ich halt einen Stehplatz, wie viele andere auch und sah „Das Phantom der Oper“, die Verfilmung von Webbers Musical.
Nettes Zusammentreffen, denn vor über zwanzig Jahren, als ich das erste Mal in Wien war, sah ich eine Aufführung ebendiesen Musicals. Noch mehr als damals, bemerkte ich dieses Mal, wie schwülstig das Ding eigentlich ist. Aber als Auftakt zu einem Aufenthalt in Wien, ist es vielleicht gerade das richtige.
Bei der Rückfahrt habe ich beinahe die falsche U-Bahn genommen, es aber noch rechtzeitig bemerkt. Erst am Sonntag hingegen bemerkte ich, dass das Tram, welches 200 von meiner Wohnung entfernt hält, auch vor dem Rathaus durchfährt. Man lernt immer dazu.

Sonntag, 19. August

An diesem Tag wollte ich mal ausgiebig die Wiener Tramlinien erforschen. Als erstes „mein“ Tram, welches statt einer Nummer, den Buchstaben „D“ hat. Erst ging ich ein Stück der Strasse Richtung Zentrum entlang. Am Sonntag Morgen sind Stadtstrassen so angenehm ruhig. Das Gebäude, das ich schon vom Kanal aus gesehen habe und mich an Feldschlösschen erinnerte erwies sich von nahem als Polizeiquartier. Dann stieg ins nächste Tram und fuhr bis zum Schwarzenbergplatz. Dort wollte ich natürlich herausfinden, wer das war.
Russisches Denkmal
Gleich dahinter befindet sich eine Gedenkstätte für die im Krieg gefallenen russischen Soldaten und, was man zur Zeit besonders gerne sieht, ein grosser Brunnen. Von dort aus ging ich den Rest der Linie zu Fuss und entdeckte so das Schloss Belvedere. Am Schluss stiess ich auf eine riesige Baustelle. Hier wird gerade der Südbahnhof – Endstation des Trams D – umgebaut vom Sackbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof. Gemäss Beschriftung soll dies sogar einmal der Hauptbahnhof sein.
Ich bestieg wieder das Tram und fuhr direkt zur anderen Endstation nach Nussdorf. Auch diese Stelle ist gut zu kennen, denn dort beginnen die Touren durch die Weinberge zu den Heurigen-Lokalen. Ich schaute mit erst ein bisschen das Dorf an, es ist tatsächlich ein Winzerdorf mitten in der Stadt. Bei der Rückfahrt stieg ich noch einmal beim Fernheizkraftwerk aus. Das berühmte mit der Hundertwasserarchitektur.
Fernheizung
Im Weiteren fuhr ich auch noch zum Westbahnhof, wo die Züge in die Schweiz fahren und wanderte schliesslich durch die Leopolds-Strasse. Eine Strasse mir vielen Läden, die ich auch an einem Werktag noch einmal abschreiten will. So gelangte ich wieder ins Zentrum zum Stephansdom, wo ich ein Restaurant ansteuerte – ein typisch österreichisches – den Wiener Wald. Ich hatte schon lange nichts mehr gegessen und bestellte mir ein Cordon Bleu. Ein Riesending.
Wohlgenährt ging ich in die Wohnung zurück, mich ein bisschen auszuruhen. Was tun am Abend? Ich entschloss mich für den Prater, denn da ist auch am Sonntag Abend noch etwas los. Ich gönnte mir noch ein Bier in einem Biergarten und schaute zu, wie sich die Leute in die Höhe schiessen lassen. Nichts mehr für mich.

Montag, 20. August

Den Tag begann ich damit, mich beim Veloverleih „Citybikewien“ einzutragen und einer kleinen Probefahrt dem Donaukanal entlang. Als Resultat war ich bereits so verschwitzt, dass ich wieder das Hemd wechseln musste.
Dann kaufte ich noch kurz ein und machte mich zum Schiffhafen auf. Bratislava war das Ziel des Tages. Alle „billigen“ Plätze waren schon gebucht, so nahm ich den „Logenplatz“ zuvorderst für 32 statt 29 Euro. So konnte ich hinter der Frontscheibe sitzen und schauen, wie wir die Donau abwärts tuckerten, soweit man bei einem Katamaran von tuckern sprechen kann. Ich hatte erwartet, dass wir viele Lastkäne antreffen. Aber es waren in diesen 75 Minuten nur zwei, sowie zwei Ausflugsschiffe und ein Kajak.
Schloss Bratislava
In Bratislava angekommen, war mir schnell klar, dass die Burg wohl zum dort hinaufsteigen da war. Zuerst wandelte ich noch etwas in der schönen Altstadt und lieferte mir mit einem Eis die Energie zu. Ich schaffte den Aufstieg und das Beste war, zur schönen Aussicht gab es auch noch Wind.
Bratislava
Interessant an der Aussicht hinunter zur Altstadt ist das Gebäude rechts unten. Es ist kein echter Sakralbau, sondern ein Modell einer Synagoge, die nicht etwa von den Nazis, sondern vom kommunistischen Regime zerstört wurde.
Ich ging auch gleich wieder dort hinunter, um mir eine Erfrischung zu gönnen. Anschliessend musste ich noch den Bahnhof finden, was iPhone sie Dank, gut gelang. Der Regionalexpress, der gar nicht so Express war, brachte mich zum bereits bekannten Südbahnhof. Ich beobachtete die Fahrgäste ein wenig und fand heraus, dass wohl viele Wiener in Bratislava günstig einkaufen gehen.

Dienstag, 21. August

Diesen Tag wollte ich sachte angehen. So setzte ich mir nur ein Ziel, die UNO-City. Dort angekommen ging ich erst einmal durch den Donaupark zum gleichnamigen Turm. Ich wollte Wien mal von oben sehen. Auf dem Turm zog es kräftig – welche Wohltat – und man hatte wirklich eine gute Aussicht. Vor allem die Donau: Die beiden Flussläufe, die Donauinsel dazwischen und die alte Donau, ein abgeschnittenes Mäander. Die Altstadt hingegen ging im Häusermeer unter. Diese Gegend ist ein Hochhausquartier. Beim Park Wohnhäuser, bei der UNO-City (allgemeiner das Vienna International Centre) Bürohäuser.
Donaustadt
Dann ging ich schliesslich in Besucherzentrum und meldete mich für eine Führung an. Wir waren eine angenehm kleine Gruppe, nur eine vierköpfige Familie und ich und der Führer – ein Chinese. Von der drei Organisationen, die in Wien ihren Sitz haben, ist die IAEA, die Atomenergieorgansiation, die wichtigste. Es seien die eher technischen Organisationen, die in Wien ihren Sitz haben, während in Genf die humanitären Organisationen sind. Bei der Erwähnung von Genf wurde mir klar, dass ich noch gar nie dort im Völkerbundspalast war.
Man fragt sich ja immer wieder, ob es die UNO wirklich braucht, wo doch immer noch so vieles schief geht. Man kann darauf sicher auch mit Erfolgsmeldungen antworten und mit der Gegenfrage, ob es vielleicht ohne UNO nicht noch viel schlimmer wäre.
Nachdem ich in der Stadt ein kleines Zvieri genommen hatte, ging ich in die Wohnung zurück um mich etwas auszuruhen. Dann verliess ich die Wohnung wieder um auf dem Rathausplatz wieder einen Film zu schauen … aber dann beliess ich es bei einem kleinen Quartierspaziergang und ging früh ins Bett. Die Hitze und die langen Distanzen fordern langsam ihren Tribut.

Mittwoch, 22. August

Ich kenne mich nicht speziell auf den Friedhöfen dieser Welt aus, aber der Wiener Zentralfriedhof ist sicher einer der bemerkenswertesten. Interessant wie die Familien des letzen und vorletzten Jahrhunderts ihre Grabmäler gestaltet haben. Wie gezeigt wird welcher Hofrat oder Kommerzrat hier mit Entourage begraben liegt.
 Zentralfriedhof
Aber auch in der Neuzeit geht das so. Hier ging einer soweit, nicht nur seine Wittwe, sondern auch sein (vermutlich) Lieblingsspielzeug, einen Mercedes, auf dem Grabmal abzubilden.
Auch an andere Kulturen ist gedacht: Eine orthodoxe Kappelle, ein russischer Soldatenfriedhof, eine buddhistische Gedenkstätte.
Ein zweites Mal Theater erlebte ich am Nachmittag bei einer Führung durch das Burgtheater. Das Burgtheater sollte vom bekannten Gottfried Semper geplant werden, der wurde aber von seinem Wiener Assistenten ausgebootet, weil dieser die Bedürfnisse des Kaisers besser erfüllen konnte. Zu diesen gehörte auch je ein separater Eingang für die Kaiserfamilie und für den Hofstaat. Die Deckengemälde dieser Eingänge wurden von Gustav Klimt, seinem Bruder und seinem Schwager gemalt.
Burgtheater
Dieser Bühnenraum ist der grösste für ein Sprechtheater weltweit. Nur Opernhäuser sind grösser. Aber auch hier gibt es zwischendurch Opern oder Konzerte. Damit verdient das Burgtheater etwas Geld zusätzlich, denn es ist nur zu vierzig Prozent selbsttragend.
Nach soviel Kunst zog es mich noch in die Natur. D.h., künstlich war mein nächstes Ziel auch, die Donauinsel. Ich packte mir ein City-Bike und fuhr bis zum nördlichen Ende, so die Donau geteilt wird.
Trennung Donauarme
Dort trafen sich allerlei Leute, mit Skates oder Renn- oder Mountainbikes. Ich schämte mich fast ein bisschen mit meinen Leihrad. Aber nein, ich hatte es schliesslich mit diesem schweren drei-Gang Ungetüm geschafft, wenigstens einen Drittel dieses 20-km langen Flusshügels abzufahren.

Donnerstag, 23. August

Beinahe hätte ich es vergessen, das Schloss Schönbrunn:
Schönbrunn
Das hier ist ja nur der Vorhof. Da geht der gemeine Tourist erstmal zu einem Nebeneingang hinein und nimmt an einer Führung teil. Der Individualtourist nimmt den Audioguide, denn da hat man den Ton immer am Ohr, kann auch was wiederholen und über die Gruppen lästern, die einem den Weg versperren. Die interessantesten Figuren, die in diesem Schloss gewohnt haben, sind zwei Frauen: Elisabeth und Maria-Theresia. Die eine machtlos, die andere sehr mächtig. Beim berühmten Bild Maria-Theresias, welches auch im Wiki-Artikel zu sehen ist, mit Titel „erste Dame Europas“ erinnerte mich gerade an eine andere Frau, die das wohl heute ist, wenn auch in schlichterem Kleid.
Schönbrunn
Vom Pavillon hinter dem Schlosspark aus, hat man diese schöne Aussicht. Ich nehme an, Kaisers liessen sich damals mit der Kutsche auf den Hügel bringen. Die heutigen Touristen müssen sich schon zu Fuss hinaufbequemen – sie sind allerdings auch sportlicher gekleidet, als jene damals.
Nach Schönbrunn ging ich noch zum berühmten Hundertwasserhaus. Ich stellte fest, dass mich das Haus nicht mehr so beeindruckt, wie vor 20 Jahren. Vielleicht weil noch mehr Fassade hinter Bäumen ist, vielleicht weil es definitiv von Touristen überlaufen ist, denn hier ist kein Schlosspark, sondern eine normale Stadtstrasse. Da es bereits Mittag war, zog ich weiter, denn ich hatte auf einer Tramfahrt eine Gasthausbrauerei entdeckt. Dort leistete ich mit einen Fiakergulasch und ein Märzen.
Danach zog ich mich noch etwas in die Wohnung zurück, bevor ich mein letztes Ziel anvisierte: Den Heurigen. Leider begann das mit einer kleinen Enttäuschung: Das Bähnchen, dass einen zu den Heurigenlokalen führt – am Sonntag noch mit täglich angeschrieben – hat genau jetzt auf Wochenendbetrieb umgestellt. So beschränkte ich mich auf den abwandern eines Spazierweges, immerhin Beethovengang genannt, und beschloss den Abend auf dem Rathausplatz.

Nachlese

Mistplatz

Mistplatz

Gemäss Cliché sind Österreicher und insbesondere die Wiener sonst eher aufs Förmliche aus. So wunderte ich mich sehr, dass das, was wir „Entsorgungsstelle“ nennen, hier schlicht „Mistplatz“ heisst.

Fressplatz

Fressmeile vor dem Rathaus

Juli und August ist – oder war – vor dem Rathaus ein Filmfestival und dazu gehörte auch eine veritable Fressmeile. Über ein Dutzend Stände, jeder mit einem Thema wie Tirolerisch, Wienerisch, Amerikanisch, Persisch etc. Überall erhielt man Porzellanteller und Gläser (aber Plasic-Besteck), die man stehen lassen konnte und die wohl ein eine zentrale Abwaschstelle abgeräumt wurden.

Halteplatz

Haltestelle

Die Wiener Tram- und Bushaltestelle haben immer noch ihren altertümlichen Design. Manchmal ist es gar nicht so einfach, von Weitem festzustellen, welche Linie dort fährt. Aber an vielen Haltestellen gibt es zusätzlich die Leuchtschrift mit der Angabe, wann das nächste Fahrzeug kommt. Und wenn es sich dabei um ein altes Tram handelt, wird auch noch angezeigt, wie lange man auf ein Niederflurtram warten muss.

Rabenplatz

nn

Beim Aufstieg zum Schloss von Bratislava, kommt man an dieser rätselhaften Figur vorbei. Es scheint im wörtlichsten Sinn eine Rabenmutter zu sein. Oder eine Rabenfee. Vielleicht handelt es sich um eine Darstellung aus dem Märchen „Die sieben Raben„. Dann wäre es die Rabenschwester. Wie dem auch sei – mir gefällt die Skulptur und schliesse mit ihr meinen Reisebericht ab.

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