Rom 2014

Samstag, 13. September: Die Anreise

Die erste Frage, die sich mir stellte, war: Zug oder Flug? Ich entschloss mich schnell zum ersteren. Mit 6 1/2 Stunden ab Spiez schneidet der Zug nicht viel schlechter ab, wenn man berücksichtigt, dass man meist ein Stunde früher auf den Flugplatz sein muss und nach der Landung auf das Gepäck warten  und nach dem Transfer suchen muss. Ausserdem ist das Hotel wenige 100 m vom Bahnhof Termini entfernt. Nur einmal umsteigen musste ich und ab Mailand konnte ich den italienischen Prestigezug „Frecciarossa“ besteigen. Ich hatte richtig gewählt.
Im Hotel lernte ich dann Reiseführerin und die Mitreisenden kennen. Erstmals bei einer Studiosus-Reise war nebst mir noch jemand aus der Schweiz dabei. Eine Frau – allerdings mit deutschem Freund. Sonst waren für einmal viele Alleinreisende dabei.
Wir machten schon mal einen Spaziergang zum Platz der Republik und zum Quirinalspalast und konnten nebenbei noch eine Carabinieri-Hochzeit bewundern. Bei diesem Spaziergang testeten wir auch gleich das Funksystem, d.h. die Leiterin hatte einen Sender und ein Mikrofon und alle Teilnehmer einen Empfänger und einen Ohrhörer. Das ist sehr praktisch, weil man sich nicht ständig um die Leiterin drängen musste.
Anschliessend machte ich mich noch selbst auf die Piste und landete schliesslich beim Nationalmonument Vittorio Emanuele, welches, wie ich schnell erfuhr, nicht besonders beliebt ist.

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Sonntag, 14. September: Rund um das Pantheon

Am Morgen ging es gleich wieder in Richtung des berüchtigten Denkmals. D.h. es ging zum Trajan Forum, einer ehemaligen Gladiatorenübungsstätte, die heute auch für ihre vielen Katzen bekannt ist. Allerdings sah ich keine. Es ging dann weiter durch enge Gassen bis zum Marktplatz Campo dei Fiori, wo wir uns eine Espresso genehmigten. An der Bar, hiess es im Programm, aber die meisten sassen doch lieber an einen Tisch.

IMG_3667Weiter auf der Piazza Navona wurden wir gerade Zeuge, wie ein Kardinal bei einer Kirche vorfuhr um diese zu weihen (oder weihte die Kirche ihn? Da kenne ich mich überhaupt nicht aus).

Der Trevibrunnen zeigt sich zur Zeit ganz trocken, denn er wird renoviert. So stellte sich die Frage, ob man ein Geldstück reinwerfen sollte, nicht. Werde ich nie wieder nach Rom kommen? Aber wir sind ja nicht abergläubisch.
Höhepunkt des Tages war natürlich der Pantheon. Der einzige Tempel, der die Christianisierung überlebt hat, weil er mitkonvertiert, also in eine Kirche umgewandelt, wurde. Die Kuppel, die Modell für alle folgenden Kuppeln wurde, mit dem Loch, durch das die Sonne am Mittag genau zum Eingang scheint.
Die gemeinsame Wanderung endete an der spanischen Treppe, die im wörtlichsten Sinne von Touristen besetzt ist. Wir erfuhren noch, dass die spanische Treppe eigentlich eine französische Treppe ist, weil Frankreich sie bezahlt hat. Weil sie aber auf den spanischen Platz mündet, erhielt sich den entsprechenden Namen. Von der Treppe aus sieht man in die Via Condotti, wo alle teuren Geschäfte sind.

DSCN0729Ich durchschritt sie eher unbeeindruckt. An ihrem Ende kommt man an den Tiber und ich wollte noch schnell den Fluss sehen. Zurück im Bahnhofquartier wählte ich einen irischen Pub zum Abendessen. Ausgerechnet dort erhielt ich erstmals ein naturtrübes italienisches Bier.

Montag, 15. September: Antike und Frascati

Rom, Antike ? Genau: Kolosseum.

DSCN0730So nennt man es allerdings erst seit späterer Zeit. Vorher war es einfach das Amphitheater der Flavier – der Kaiserfamilie unter der es erbaut wurde. Hier gab es Jahrhunderte lang das, was man noch heute „Brot und Spiele“ nennt: Vergnügen für das Volk, damit es still hält. Heute zahlt das Volk, um sich die Ruinen anzusehen.
Anschliessend besichtigten wir das Forum Romanum, das Zentrum des aufstrebenden Roms, wo Paläste, Tempel und Triumphbögen dicht an dicht standen. Am einen Ende des Forums befindet sich der Capitolhügel an dessen einer Flanke auch ein berüchtigtes Monument steht. Hier der Triumphbogen des Konstantin mit unserer Gruppe davor.

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Am Nachmittag gab es einen Ausflug mit dem Bus nach ausserhalb der Stadt. Erste Station waren die Katakomben der Domitilla. Domitilla war eine Frau aus einer Kaiserfamilie, die Christin wurde. Sie wurde von der Familie verbannt, konnte aber der Christengemeinde Land vererben, wo diese eine Kirche und unterirdische Begräbnisstätten einrichten konnten. Wir besichtigten einen Bruchteil der 17 km unterirdischer Gänge voller Grabesnischen. Wer erhofft oder befürchtet hatte, Mumien und Skelette anzutreffen, wurde enttäuscht. In den Katakomben befand sich im wörtlichsten Sinne kein Knochen.
Zweite Station war ein Weingut wo wir Fragen zum Weinbau stellen und Frascati degustieren konnten. Bruschetti gab es auch dazu. Auf dem Weg dorthin kreuzten wir ausserdem die Via Appia Antica, wo wir ein paar Schritte darauf machen konnten. An dieser Stelle war Fahrverbot (theoretisch), aber in Stadtnähe fuhren wir sogar darauf.

Dienstag, 16. September: Der Vatikan

Heute hiess es früh aufstehen, denn wir wollten die ersten an der Tür des Vatikanmuseums sein. Wir waren dann etwas die zwanzigsten, aber die Gruppen wurden sehr effektiv eingeschleust, so dass wir nur kurz warten mussten. Zeit brauchte nur die Verteilung der Kopfhörer und Funkempfänger, denn man darf nicht die eigenen verwenden.
Obwohl der Rundgang in der Sixtinischen Kappelle endet, wird sie schon am Anfang Thema. Weil dort Sprech- und Fotoverbot herrscht, stehen im Museumsgarten Plakate mit Fotos der Malereien, so dass die Führer anhand diesen alles erklären können.
Nach diesen Erklärungen wurden wir also durch das Museum geschleust. Vorbei an antiken Skulpturen, an Wandteppichen, durch von Raffael ausgemalte Zimmer und schliesslich auch durch eine moderne Galerie. In den Raffael-Zimmern verlor ich meine Gruppe, aber in die Sixtinische Kapelle mussten sie ja kommen und etwas früher dort zu sein, war gar nicht schlecht, so konnte ich Adams Hand und Gottes Hintern noch etwas länger anschauen.
Anschliessend schauten wir uns die grösste Kirche der Welt an. Unsere Führerin nannte sie immer „Petriskirche“. Mein verkorkstes Hirn hörte immer ein „n“ wo keines war. Aber das Thema „Wer hat den Grössten“ spielte beim Bau der Kirche schon mit.
Wir betrachteten unter anderem einen roten Punkt beim Eingang, d.h. einem Kreis von ca. 2 m Durchmesser, auf dem mit Sicherheit schon Karl der Grosse und x andere gekrönte Häupter gestanden haben, denn rot, resp. Purpur ist die Farbe der Könige.
Mehrere Skulpturen in der Peterskirche nehme Bezug auf Königin Christine von Schweden. Sie war etwas besonderes, weil sie als Tochter des wichtigsten Anführers der Protestanten im 30-jährigen Krieg zum Katholizismus zurückkehrte. Allerdings musste sie abdankten. Eine Widmung gibt es auch für die Familie Stuart, die einst Schottland und England zusammengeführt hat. Ganz aktuell hingegen ist die Inschrift am Sarkophag von Johannes Paul II, der bereits mit „Sanctus“ angeschrieben ist. Die Heiligsprechung ist ja noch nicht lange her.

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Nach sechs Stunden auf den Beinen war ich so müde, dass ich die Nachmittagsaktivitäten stark reduzierte. Also noch ein einem Seitengässchen Mittagessen – hatte den Vorteil, dass sie einen dort noch italienisch radebrechen lassen und nicht sofort auf englisch wechseln – und dann gemütlich Richtung Hotel. Nach einer Dusche ging ich noch einmal für ein Bier und kaufte mir eine Kleinigkeit zu Essen um den Abend in Hotelzimmer zu verbringen.

Mittwoch, 17. September: Tivoli und Kirchen

Tivoli ist, neben vielem, ein Vorort von Rom. Ein Dorf auf einem Vorhügel des Apennins, ideal als Sommersitz für reiche Römer. Solche waren auch die Familie d’Este, die der Welt im 16. Jahrhundert auch zwei Kardinäle beisteuerte. In dieser Zeit entstand auch die Villa d’Este, ein Haus mit Garten, aber was für einer.
Ein Schlossgarten mit einer Unzahl Wegen, Hecken und, das vor allem, Brunnen. Einer betreibt sogar eine Orgel, die jeden Morgen für fünf Minuten in Betrieb gesetzt wird. Während die heutigen Besucher den Park via die Villa betreten, war früher der Eingang am untersten Punkt des Gartens, so dass die Besucher erst den Park durchschreiten und sich schliesslich über Treppen und Schrägwege das Erreichen der Villa quasi verdienen mussten. Wir hingegen begannen, wie gesagt, im Haus und bewunderten erst die bemalten Wände der Gemächer. Nicht vergleichbar mit der sixtinischen Kapelle. Dies war Gebrauchskunst der damaligen Zeit: Landschaften, Porträts oder mystische Motive, wie diese Venus – garantiert nicht von Botticelli:

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Der Garten ist auch voller antiker Skulpturen. Diese kommen gleich aus der Nachbarschaft, dem Palast Kaiser Hadrians. Die Archäologie der damaligen Zeit bestand ein erster Linie aus dem ausgraben römischer Skulpturen um die eigenen Gärten zu verschönern.
Hadrian, auf italienisch Adriano, hat sich eine grosse Palastanlage geleistet, für sich und seine Gäste. Leider ist nicht mehr viel übrig, aber allein dieser Karpfenteich, der ursprünglich von einem Säulengang umgeben war, lässt erahnen, wie verschwenderisch hier angerichtet wurde.

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Es gibt noch eine grössere solche Anlage und diverse Paläste und Gästehäuser und…. und alles mit Mosaiken, sofern sie noch vorhanden sind. Bekanntlich gehörte auch das Badehaus zu den unerlässlichen Einrichtungen einer römischen Anlage. Da ist interessant, dass es hier nicht nur ein Privatbad für den Kaiser und eines für die Gäste gab, sondern auch eines für die Sklaven. Mehrere tausend sollen hier beschäftigt worden sein. Wenn die Sklaven somit auch sauber waren, hiess das noch nicht, dass sie auch durch die Parks wandeln durften. Die Anlage ist voller unterirdischer Gänge, über die die verschiedenen Gebäude vom Dienstpersonal bedient wurden.
Gerne hätten wir uns gut 1900 Jahre „zurückgebeamt“, um nur kurz Gast bei Hadrian zu sein und die Anlage ein der ganzen Pracht zu sehen. Aber wir mussten uns damit begnügen, bei der Rückfahrt davon zu träumen

Zurück in der Stadt, führte uns unsere Leiterin noch einmal in den Vatikan. Gleich neben unserem Hotel – in die Kirche Santa Maria Maggiore, die dem Vatikan gehört und darum exterritorial, also vatikanischer Boden ist. Dasselbe gilt für die Kirche San Pietro in Vincoli (Sankt Peter in Ketten), wo wir noch die Mosesskulptur Michelangelos bewunderten. Zwei Dinge fallen auf: Moses hat Hörner, was auf einen Übersetzungsfehler des alten Testaments zurückgeht und der Papst, dessen Grabmahl die Skulptur hätte sein sollen, wird in legerer Pose dargestellt.

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Nach dem Kirchenmarathon kam noch das Farewell-Dinner. In einem typischen Lokal ein nettes italienisches Essen mit Spaghetti, Schweinsbraten und Tiramisu. Und Hauswein.

Donnerstag, 18. September: Arrivederci Roma

Das ist schnell erzählt: 9 Uhr Frecciarossa nonstop nach Mailand. Dann Cisalpino bis Brig und dort noch einmal umsteigen bis Spiez.

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