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Dresden, Breslau, Krakau 2016

Freitag, 10. Juni, Anreise

Zehn Stunden Anreise, war geplant. Wegen einer Verspätung wurde eine mehr daraus, aber das störte mich nicht weiter.
Da die geführte Reise erst am Samstag begann, hatte ich einen Abend und einen halben Tag, Dresden auf eigene Faust zu entdecken. Nach ein bisschen kreuz und quer fand ich eines der Wahrzeichen Dresdens:

f6eecc7ad34393aDie Frauenkirche und davor Stassenmusiker, Rischkafahrer und Touristen, die Selfies machen. Und wenn man an dieser Kirche vorbei geht, kommt man auf eine Terasse mit ganz toller Sicht auf die Elbe.  Ebendiese Elbe und das Altstadtpanorama habe ich im Samstag Morgen fotografiert.

Samstag, 11. Juni, Dresden

DSCN0872Nur 100 Meter vom Hotel entfernt führt eine Brücke über den Fluss und so konnte ich das ganze Panorama von der Gegenseite her abschreiten. Bei der übernächsten Brücke, die gerade renoviert wurde, fand ich einen Rosengarten und auf der anderen Seite einen Flohmarkt.
Dann ging ich durch die Altstadt zurück, wobei ich auch noch einige kleine Demos bewundern konnte (das berüchtigte Bilderbergertreffen fand gerade in Dresden statt) und erfrischte mich im Hotel für das Treffen mit der Reisegruppe.
25 Leute incl. Reiseleiter besammelten sich am Samstag Abend und wir spazierte gemeinsam zur bereits bekannten Terasse. Diese befindet sich vor der Akademie der Künste, deren Kuppel wegen ihres Aussehens als Zitronenpresse bezeichnet wird. Der Elbe nach marschierten wir ins Yenidze, der ehemaligen Tabakfabrik, die heute ein Theater und eine Restaurant ist. Dort war das erste gemeinsame Abendessen – im Gegensatz zu bisherigen Reisen, waren diesmal 5 von 7 Abendessen organisiert.
Zurück im Hotel, bot sich mir dieser Ausblick:
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Am anderen Elbeufer wurde ein Feuerwerk veranstaltet. Der Grund dafür ist mir nicht bekannt – möglicherweise wurde der Beginn der Fussball-EM gefeiert. So endete der Samstag.

Wikipedia zu Dresden, der Frauenkirche, Yenidze und der Zitronenpresse.

Sonntag, 12. Juni, Dresden

Am Sonntag fand eine intensive Führung durch Dresden statt. Als erstes wurden wir in den Zwinger gezwungen.a20fcd3954beb38Haha, Wortspiel. Zwinger nennt man einfach den Teil zwischen äusserer und innerer Festung, die hier aber nicht mehr gebaut wurde. Dafür wurde der Zwingergarten zur Defiliermeile für Besucher des Hofes.
Wir defilierten anschliessend zur Semper-Oper zu einer Führung. Das erste, aber nicht das letzte Gebäude auf unserer Reise, wo eine Fotolizenz nötig war. So gibt es halt kein eigenes Bild des Treppenhauses mit den vielen Marmorsäulen, die, wir uns die Führerin erklärte, genau so Kulissen sind, wie so manches auf der Bühne.
In Dresden fand an diesem Tag auch noch ein Stadtmarathon statt und wir mussten die Lauftrasse zur nächsten Station durchqueren. Alle schafften es unfallfrei.e65df9557e71910Nein, das ist nicht der Marathon, sondern eine Wandmalerei, die alle sächsischen Könige in Form eines Defilées zeigt. Ich habe einen Ausschnitt mit besonders schönen Beinamen gewählt. Der Erlauchte oder der Gebissene … man konnte Glück oder Pech mit dem Beinamen haben. Am meisten trifft man in Dresden aber auf August den Starken, aber zu dem komme ich erst am Schluss des Berichts.
Weiter ging es in die Kunstsammlung des grünen Gewölbes, das heute ein modernes Museum und nicht mehr grün ist. Und dann der angesagte Höhepunkt, die Frauenkirche. Die Ruine der Kirche, so wie sie nach der Bomardierung Dresdens aussah, blieb zu DDR-Zeiten als Mahnmal stehen und wurde erst nach der Wende mit Hilfe von Geldspenden aus aller Welt rekonstruiert.
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Natürlich war auch in der Frauenkirche fotografieren nicht erlaubt. Aber in den Emporen sitzt es sich etwas diskreter. Zum beten und eben auch… Diese Emporen sind etwas, das ich bisher nicht so kannte. Sie dienten wohl nicht nur der Platzbeschaffung, sondern auch der Klassentrennung. Die Logen nahe dem Altar waren für die Herrschaft – weniger, dass diese den Altar besser sahen, sondern dass das Volk die Herrschaft besser sah. In diesem unterscheidet sich die Kirche nicht vom Theater.
Der Sonntag Abend war individuell geplant, wobei sich bei mir die Individualität darin erschöpfte, dass ich mir hier ein Bier und dort einen Burger beschaffte und früh zu Bett ging

Bei Wikipedia über den Zwinger, die Semperoper,  das grüne Gewölbe und die Frauenkirche.

Montag, 13. Juni, Bautzen und Görlitz

Am Montag Morgen begann die Busreise richtung Polen. Zuerst aber ging es an die Spree.f7a04d98957c437Die Spree in Bautzen. Eine hübsche kleine Stadt mit zweisprachiger Beschilderung, den Bautzen ist das Zentrum der Sorben, der einzigen sprachlichen Minderheit in Deutschland. 3509125d99377f4

Nach dem Mittagessen in Görlitz (an der Neisse, dem Grenzfluss) betraten, resp. befuhren wir endlich polnischen Boden und erreichten am Nachmittag Breslau.
In einem ersten Stadtspaziergang erfuhren wir, welche Bedeutung in polnischen Städten der Rathausplatz, der Rynek, hat. Es ist ein grosser, von Bürgerhäusern umrandeter Platz, in dessen Mitte das Rathaus und die Tuchhallen stehen. Letzteres zeigt, dass der Handel in diesen Städten immer wichtig war. Da Breslau eine Studentenstadt ist, ist der Rynek nicht nur Treffpunkt der Touristen, sondern auch der Jugend.

Wikipedia sagt zu Bautzen, Görlitz und Breslau.

Dienstag, 14. Juni, Breslau

Der Dienstag war ganz Breslau gewidmet, oder, um es einmal zu sagen, Wrocław. Das durchgestrichen L spricht sich wie ein U aus. Ein Buchstabe, den wir im Berndeutschen auch brauchen könnten.803fdc6c63a1bd4In der Oder hat es etliche kleine Inseln, darunter die Sandinsel und die Dominsel. Diese waren unser erstes Ziel. Aus dem Dom habe ich bereits ein Bild gepostet, wo eine Skulptur den wahren Glauben beschwört (und den unwahren – die Reformation – verdammt).
Auf der, der Dominsel vorgelagerten Sandinsel befindet sich natürlich auch eine Kirche, die folgerichtig „Heilige Maria auf dem Sand“ heisst. Dort interessierte uns aber weniger das gotische Gewölbe, als ein Raum mit einem lebendigen Bild.56b1c46e16b86dMehr als 80 Figuren stellen Szenen aus dem einstigen Leben in Polen dar. Das spekulärste ist aber das Fenster, aus dem kein geringerer als Johannes Paul II die Zuschauer segnet.
Der weitere Teil der Stadtwanderung war dann etwas weltlicher mit einem Abstecher in die Markthalle und die Universität. In dieser schauten wir uns die restaurierte ( im Krieg zerstörte) Aula an.
Letzte Station, passend zur Uni, war der Kartzer. Das ist das Gefängnis für Studenten, die sich schlecht benommen haben. Heute ist es ein hipper Studentenklub und vor dem Kartzer findet man dies:8df6b4031c7371Die Gassen Breslaus sind voll von diesen Zwergen. Ihre Ausstattung hat häufig Bezug zu dem Gebäude, vor dem sie stehen. Oder sitzen, wie hier.
Wer 360 Stufen bewältigen könne, werde mit einer tollen Aussicht belohnt, sagte der Reiseleiter. Nur ein Paar und ich suchten diese Belohnung und bestiegen der höchsten Kirchturm der Stadt. Von dort sah man u.a. auch den Rynek.c26cccb17b09ddd(1)Der Ring um das Rathaus ist auf allen Seiten so breit, wir es hier im vorderen Teil ersichtlich ist. Wie schon gesagt, ein echter Stadtmittelpunkt.
In einem der Häuser im Vordergrund befindet sich ein Lemberger Restaurant. Dort ging es Abendessen.8875204a4cea937

Die osteuropäische Küche ist fleischlastig. Schweinefleisch-lastig. Gut, ein paar Pouletspiesschen hatte es auch. Aber unter dem Braten auch noch Speck und Rippchen. Dies ist eine Portion für vier Personen … es blieb keiner hungrig.

Mittwoch, 15. Juni, Brzeg und Oppeln

Der erste war Brzeg (Brieg), wo uns der Reiseleiter eine Kirche und den Rathausplatz zeigte. Der Dauerwitz „eine Kirche geht noch …)“ entstand schon dann. Wohl kaum jemand in der Reisegruppe hatte das Gefühl, dass man Brzeg hätte sehen müssen.
Interessanter war dann der Mittagshalt in Opole/Oppoln. Die Stadt ist das Zentrum der noch existieren deutschen MInderheit in Polen. Die Kirche, die der Reiseleiter im Visier hatte, war gerade wegen einer Messe nicht betretbar und so hatten wir mehr Zeit für ein paar Schritte der Oder entlang und ein Mittagessen in der Altstadt. Im Garten vor der Universität konnte man diverse Figuren bewundern. Z.B. dieser Herr, der mit dem Namen Czesław Niemen angeschreiben war. Natürlich habe ich ihn auf Wikipedia gesucht (siehe unten).8f5dbe3ceda1f3f

Die Figuren waren, zumindest in meine Augen, das Highlight der Reise. Dann erreichten wir Krakau.

Wikipedia zu Brzeg, Oppeln, Czesław Niemen

Donnerstag, 16. Juni, Krakau

Am ersten Abend in Krakau gab es Borschtsch (mag ich immer noch nicht) und Schweinebraten (mag ich immer noch). Am zweiten Abend … Moment, erst gab es einen Stadtrundgang.
Um die Krakaus Altstadt führt eine Ringstrasse und ein Grüngürtel auf dessen Fussgängerweg alle alten Stadttore markiert sind. Erhalten ist nur noch eines. Ein Stück des Grüngürtels ist nichg grün, denn dort geht es unmittelbar auf den Burghügel. Die Burg, der Wawel, ist heute ein Museum. Leider waren die Säulengänge im Innenhof nicht zugänglich, denn an diesem heissen Tag wäre ein Spaziergang dort sehr angenehm gewesen.de05a0a98da8236

Neben der Burg stehen, wen wundert’s, mehrere Kirchen. Die grösste davon zeigt einen wilden Stilmix, weil sie während tausend Jahren immer verändert und ausgebaut wurde. Der Wawel ist offenbar ein beliebtes Ziel von Schulreisen und wie die vielen Kinder, stand auch ich beim Kiosk für ein Eis an. Dass das Eis in Zloty gleich viel kostet, wie bei uns in Franken, sei nur kurz erwähnt.
Den individuellen Nachmittag nutzte ich, mir ein Souvenir zu kaufen. Ein T-Shirt mit dem Aufdruck von Krakauer Sehenswürdigheiten. Das Shirt selbst sei „made in China“, aber der Aufdruck werde in Polen gemacht, versicherte mir die Verkäuferin.
Dann ging ich in den Hof der Universität. dort immer um 17 Uhr ein kleiner Unzug statt.e85f56fa03fb755

Während diese Figuren, König, Dekan und Professoren, defilieren, wird „Gaudeamus igitur“ gespielt. Einige Studenten in weissen Unhängen waren auch da. Ich hoffte, sie würden etwas Schabernack treiben, aber das mächen sie wohl erst, wenn sie unter sich sind.
Am Abend besichtigten wir das jüdische Viertel von Krakau, Kazimierz, in welchem heute kaum mehr Juden leben. Aber eine Synagoge hat es noch und einige Restaurants, in denen Klezmer Musik gespielt wird. In einem solchen assen wir – für einmal kein Schweinefleisch, sondern Poulet.

Auf Wikipedia mehr über den Wawel, Kazimierz.

Freitag, 17. Juni, St. Annaberg und Schweinitz

Nachdem wir Krakau verlassen hatten, hiess es wieder „Go West!“. Autobahn fahren war angesagt, denn wir wollten möglichst schnell das Industriegebiet von Katowitz passieren und uns dem Riesengebirge nähern. Erste Station war aber noch kein riesiger Berg, sondern ein Hügel, der St. Annaberg. Habe ich schon erwähnt, dass Polen katholisch ist? Klar, dass auch ein Wallfahrtsort der Mutter Marias, Anna, gewidmet ist. Auf dem Hügel ist ein Kloster, eine Kirche und rundherum ein Wald mit kleinen Kapellen, sowie ein Kalvarienberg.ebd3a5f35457259Natürlich musste ich gleich an den Film „Life of Brian“ denken. Mich meiner leichten Blasphemie schämend stieg ich in den Bus. Das nächste Ziel war nicht religiös, sondern geschichtlich: Kreisau. Noch nie gehört? Ich auch nicht. Es handelt sich um ein Landgut der Familie Moltke (schon mal gehört) das heute al Begegnungsstätte zwischen der deutschen und der polnischen Jugend fungiert.
Ein wenig bekannter ist dies: 6d8dcd6ffc84fdbJedenfalls dann, wenn man mit der Geschichte des 30-jährigen Krieges vertraut ist. Da wurde nämlich Schlesien von den katholischen Mächten zurückerobert, aber, um den Frieden zu bewahren, durften die Protestanten sogenannte Friedenskirchen bauen. Drei an der Zahl und sie durften nicht aus Stein sein. Also entstanden diese Riegelbauten, wovon nur noch zwei existieren und jene von Schweidnitz die schönere ist. Die Opulenz des Inneren mag erstaunen, aber der protestantische Bildersturm war damals schon vorbei.
Der Endpunkt war Schloss Wojanow (Schildau):
f62d5c43caaa778Nicht im Schloss selbst, aber in einem Nebengebäude bezog ich ein wunderschönes Zimmer, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Warum sehen wir noch. Zum Abendessen gab es überraschenderweise Schweinebraten und Knödel.

Wiki erklärt das Riesengebirge, St. Annaberg, Kreisau, Kirche Schweidnitz und Schloss Wojanow.

Samstag, 18. Juni, Hirschberg

Unsere letzte Station in Polen war Hirschberg (Jelena Gora). Auch diese hat einen Rynek mit einer Besonderheit, die in mir sofort heimische Gefühle weckte.7ecceb1798cff15Lauben, wie zu Hause. Und wie in unseren Zähringerstädten stellen die Restaurants auch ein paar Tische darunter. Die Ladenstrasse, die wir nach der obligatorschen Kirchenbesichtigung begingen, führt vom Rynek weg. Dort findet man auch eine interessante Europa.7b589c1e4874411Genau so mager sehen wir – oder zu mindest ich – sie heute öfter. Nichts zum mager bleiben war die Confiserie, wo die meisten der Reisegruppe noch einkauften. Ich hatte meine Schokolade schon und besorgte mir noch Bier für den nächsten Umtrunk zuhause.
Schliesslich trafen wir noch ihn:bc35afdc9c8b2d2Hätte ich zu dieser Zeit schon geahnt, was mich noch erwartete, hätte ich ihn um Beistand gebeten. So aber genoss ich noch das Picknick auf der Autobahnraststätte und erst als wir gerade die Grenze überfahren hatten, fuhr es mir wie ein Blitz durch alle Glieder: Ich hatte mein Necessaire im Hotel vergessen. Mit der Brille. Zum Glück konnte mir der Reiseleiter Telefonnummer und EMail-Adresse des Hotels geben. Ich hatte am Abend noch eine Aufgabe.

Hier in Wiki: Hirschberg,

Samstag und Sonntag, 19. Juni, wieder in Dresden

Als ich am Samstag Nachmittag mein Hotelzimmer bezog, dachte ich nur an eines – mein Necessaire, meine Brille wieder zu bekommen. Ich rief im Hotel Wolany, wo ich die Sachen vergessen hatte, an, aber es war eine Portière am Apparat, die nicht Bescheid wusste, denn sie hatte den Dienst erst gerade angefangen.
Meine Idee, am Sonntag ein Auto zu mieten und zum Hotel zu fahren, war somit nicht sinnvoll. Wahrscheinlich war auch niemand vom Zimmerdienst vom Freitag da und niemand würde wissen, wo mein Necessaire ist. So schrieb ich denn ein E-Mail und hinterliess meine Adresse.
Als nächstes buchte ich die Heimreise, Zu meiner Freude gibt es einen Nachtzug von Prag via Dresden nach Basel und Zürich. Ich hatte damit noch gut 24 Stunden Dresden vor mir.
Am Samstag Abend war ein Fest in Neustadt, dem linksufrigen Stadtteil Dresdens. Ich ging in die Bunte Republik Neustadt, einer Art alternativen Braderie. 76c79eb66f56b2Viele Leute und viel Musik. Live-Rockmusik war allerdings die Ausnahme. An den meisten Ständen lief House oder Techno ab Konserve. Aber dafür gab es auch viele Trink- und Essstände. Und alles kostete höchstens halb so viel wie bei uns.

Am Sonntag wollte ich mir etwas anschauen, von dem immer wieder in den deutschen Medien gerichtet wird: Das deutsche Hygienemuseum. 52a343fa315fa92Eine Ausstellung über den menschlichen Körper und seine Funktionen mit alten und neuen Exponaten. Die Ausstellung ist interessant, wenn auch nicht immer überzeugend (für mich). Das Alte und das Neue, noch mit ein paar Kunstobjekten aufgelockert, stehen doch etwas zusammenhangslos nebeneinander.
Ein anderer Ort, wo sich Altes und Neues beissen, ist hier:561792f381bb596Es ist die Waldschlösschenbrücker, wegen der das Dresdner Elbtal von der Unesco degradiert wurde. Die Landschaft ist jetzt nicht mehr ein Kulturerbe der Welt oder so. Ich konnte sie auf einer Dampferfahrt auf der Elbe am Nachmittag „bewundern“.
Das Schiff fährt eineinhalb Stunden elbabwärtz zum Schloss Pillnitz. Ich mochte aber nicht zwei Stunden dort bleiben um aufs nächste Schiff zu warten und fotografierte es vom Wasser aus.1f943585a3f7bf4

Zurück in der Stadt leistete ich mir noch ein Abendbierchen und ging dann auf den Bahnhof um auf den Zug zu warten. Am Montag Mittag war ich wieder zu Hause.

Behr über die Bunte Republik, Waldschlösschenbrücke und Schloss Pillnitz.

Schlusswort

Das war meine 6. Reise mit Studiosus und ich bin auch diesmal wieder sehr zufrieden. Diese Reiseform für pensionierte Lehrer, wie ich es selbst gerne sage, passt bestens zu mir. Da gebe ich gerne deutlich mehr aus, als für Badeferien.
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Paris 2015

Donnerstag, 16. 4. 2015

IMG_4039Drei Stunden dauert die Fahrt mit dem TGV von Basel nach Paris via Mülhausen und Dijon. Ich kam bereits um halb eins im Gare de Lyon an und fand das Hotel fehlerlos, denn ich hatte mich mit Google Maps gut vorbereitet. Rue de l’échiquier (Schachbrettstrasse) konnte ich mir sowieso gut merken. Diese und ein paar weitere Strassen erkundete ich schon, bis um halb fünf ein erster Spaziergang mit der Reiseleiterin vorgesehen war.
Da gab es erste Informationen zu den Haussmann-Boulevards, den Halles und dem Palais Royal. Dieser heisst so, weil Louis XIV einige Zeit darin wohnte, bevor er nach Versailles zog. In erster Linie war es aber der Wohnsitz von Kardinal Richelieu und beherbergt heute u.a. das Justizministerium.
Zurück im Hotel wurde die Gruppe bei einem Blanc Cassis über das Programm informiert und dann in den Abend entlassen.
Ich nutzte die Zeit noch für einen weiteren Spaziergang. Eine Kirche, die ich von Weitem gesehen hatte wollte ich von genauer anschauen. Von Nahem sah die Paroisse Saint Vincent nicht mehr sehr schön aus und ich spazierte noch etwas weiter den Boulevards entlang. Ein erstes Mal bereits musste ich auf Maps auf meinem iPhone zurückgreifen. Ich hatte etwas die Orientierung verloren, denn in Paris gibt es nur wenig rechtwinklige Kreuzungen.

Freitag, 17.4.2015

Am Vormittag konnten wir noch etwas bequem sein, denn wir gingen auf Stadtrundfahrt mit einem Bus. Wir fuhren einmal rund um den Obelisken auf der Place de la Concorde herum. Ein Geschenk Ägyptens und somit das älteste Monument der Stadt. Der Name des Platzes: Concorde – Einigkeit soll vergessen machen, dass hier einst etwas eher trennendes stand, die Guillotine.
DSCN0749Erster Aussteigepunkt war die Aussichtsterrasse am Trocadero, wo man über das Champs de Mars sieht und auf das meistfotografierte Bauwerk der Welt, den Eiffelturm.
Zweite Station war der Dome des Invalide zu dem auch heute noch ein Spital für kriegsversehrte Soldaten gehört. Im Dom befindet sich u.a. der Sarkophag von Napoleon I. Aber den liessen wir, denn die Reiseleiterin wollte uns in erster Linie den Hof der Anlage, wo das Militärmuseum ist, zeigen. Am Dach des Gebäudes befindet sich über jedem Fensterbogen eine Trophäe, d.h. die Skulptur eines Kreuzes, an dem eine Rüstung, Waffen und Schmuck hänge und oben darauf meistens ein Helm – typische Beutestücke eines besiegten Heeres. Dieses Trophäenkreuz, das bereits die Griechen kannten, sei die Vorlage des christlichen Symboles, erklärte sie, nicht das Hinrichtungsinstrument.
Nach der Stadtrundfahrt wollte ich herausfinden, wie weit es vom Hotel zum Gare de Lyon ist. Zu weit, um es mit dem Koffer zu machen. Aber ich kam dabei zum Mittagessen und dazu, mit die Place de la République genauer anzuschauen. Der Platz hat grosse Symbolkraft und das Thema Freiheit steht im Mittelpunkt. Der Sockel des Denkmals ist auch heute noch voll mit Flyern und Gegenständen der Solidaritätsdemo für Charlie Hebdo.
DSCN0755Am Abend ging es in den Louvre, wo wir einen verschwindend kleinen Teil der Exponate genauer anschauten. Nur die Stichworte: Grundmauern des alten Schlosses, Venus von Milo, Nike, Hl. Sebastian, Joh. der Täufer (generell die Vermischung christlicher Motive mit jenen der griechischen Mythologie), Mona Lisa, Revolution, Medusa, Krönung Napoleons. Am Ende noch der Appolon-Saal. Das eine oder andere mag noch Thema für einen Sonderartikel sein.
Die Venus hat bekanntlich keine Arme mehr, die Arme – Nike nicht einmal den Kopf.
DSCN0757Trotz Müdigkeit marschierte ich noch zum Eiffelturm und kam gerade rechtzeitig um die Lichtshow um 21 Uhr zu sehen.
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Samstag 18.4.2015

Der Weg zum Museum führte aber erst auf die Ile de la Cité, auf den Place Dauphin, der sich dadurch auszeichnet, dass er dreieckig ist. Die eine Spitze weist auf ein Reiterstandbild von Henri IV, was passt, denn mit dem Dauphin ist sein Sohn, der spätere Louis XIII gemeint.
Unter diesem Henri fanden die Hugenottenkriege statt, nach denen er mit dem Edikt von Nantes Toleranz gegenüber den Protestanten verfügte. Sein Enkel, der Sonnenkönig Louis XIV hob dieses wieder auf. So flohen wieder Hugenotten aus Frankreich, auch in die Schweiz.

Nach dieser geographischen Geschichtsstunde ging es ins Musée d’Orsay, dem ehemaligen Bahnhof. Im Eingagnsbereich wird man von Skulpturen im Stile der griechisch-römischen Tradition begrüsst, wie wir sie schon im Louvre sahen.
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Unser Ziel waren aber die Impressionisten und deren Vorgänger. Es ist interessant, was im 19.  Jahrhundert zum Kunstskandal werden konnte. Schon nur die Darstellung von Alltagsszenen, ohne Promis, ohne mystischen oder religiösen Inhalt, waren Aufreger. Impressionist war ursprünglich ein Schimpfwort für Maler, die nur einen „Eindruck“ der Wirklichkeit abbildeten, ohne eine Botschaft, eine Moral übermitteln zu wollen.
Mein selbständigen herumstreunen entdeckte ich auch noch einen „Bekannten“: Felix Vallotton, den Maler aus dem Roman von Martin Suter.

Am Nachmittag fuhren wir zum bereits genannten Sonnenkönig, resp. seinem Schloss, nach Versailles. Zuerst spazierten wir durch den Park, den zu erkunden die vorgesehene Stunde bereits knapp war, hätten wir jeden Pavillon besuchen wollen.
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Im Park und im Schloss hat es schon immer von Menschen gewimmelt. Damals von Höflingen und Bediensteten, heute von Schulklassen und Reisegruppen. Im öffentlichen Teil des Schlosses führt ein „Wanderweg“ erst durch die Gemächer des Königs, dann durch den Spiegelsaal und am Schluss durch die Gemächer der Königin. D.h. am Schluss kommt noch der Souvernierladen.
Sinn des grossen Schlosses war, dass alle massgeblichen Adligen dort wohnen mussten und so unter den Kontrolle des Königshofes standen. Der König empfing seine Höflinge erstmals morgens in seinem Schlafzimmer und wer fehlte machte sich verdächtig. Im Gegensatz zu heute war das Schlafzimmer kein intimer Ort. Dafür das Bureau, dort durften nur die engsten Berater rein.
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Das Bett der Marie-Antoinette. Ich begnügte mich mit dem Hotelbett.

Sonntag 19.4.2015

Montmartre, das legendäre Künstlerquartier, war Ziel des Sonntagvormittags. Auf der Place d’Abesses, resp. einem kleinen Park nebenan, erklärte uns die Reiseführerin die Entwicklung dieses Dorfes zum Stadtteil von Paris. Es war der dörfliche Charakter, aber auch die tiefen Mieten, die einst die Künstler in diesen Stadtteil lockte. Montmartre ist auch heute noch ein beliebter Wohnort.
Die Hauptattraktion ist natürlich die Kirche Sacré-Coeur. Heiliges Herz oder Herz Jesu ist eine Richtung der mystischen Verehrung im Christentum. Der richtige Ort also, um auf den Laizismus in Frankreich einzugehen. Staat und Kirche sind streng getrennt, was auch dazu führt, dass es keine Kirchensteuern gibt oder keine Blasphemiegesetze.
Vielerorts in Paris trifft man auf Darstellungen des Heiligen Denis, der auf Montmartre geköpft wurde und gemäss Legende mit dem Kopf in der Hand 3 km zu seinem bevorzugten Begrägnisort gegangen ist. Dort steht jetzt die Kirche St. Denis, wo fast alle französischen Könige begraben sind. Beim weiteren Spaziergang passierten wir auch den Brunnen, wo der geköpfte Denis sich gewaschen haben soll. Hier sehen wir in am Portal der Notre-Dame:
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Ziel war aber nicht der Brunnen, sonder der Petanque-Club von Montmartre. Dort erhielten wir eine Lektion in diesem Spiel, in dem wir gleich unter Anleitung spielten. Der Instruktor war natürlich parteiisch und half den Frauen. Aber zugegeben, die eine warf wirklich sehr zielsicher.
Beim Apéro waren dann wieder alle gleichberechtigt.

Den freien, d.h. nicht geführten Nachmittag nutzte ich, um einer Empfehlung von Tom alias DJ Brutalo nachzugehen – dem Parc des Buttes Chaumont. Der ehemalige Steinbruch wurde vor 150 Jahren in einen Park umgebaut, der eine künstliche, pittoreske Natur darstellte. Der Park war an diesem sonnigen Sonntagnachmittag gut besucht.
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Ich mir hatte vorgenommen, in Paris einmal Tram zu fahren und tatsächlich musste ich nur einige hundert Meter marschieren bis zu nächsten Tramstation. Leider waren die Trams bumsvoll und das änderte sich auch nicht, als ich einige Stationen der Trasse entlang ging. Als Entschädigung erreichte ich kurz vor der Endstation den Parc de la Villette. Dort findet man gleich zwei Philharmonien, weitere Säle, Erlebnisparks, Liegewiesen, einen Kanal etc. Auch einen Buchladen und dort wagte ich mich hinein. Ich überflog die Präsentiertische und blieb bei einem Buch hängen. Es hatte den Untertitel: “  „. Richtig, es ging um Charlie Hebdo. Ich musste es kaufen.

Am Abend traff sich die Gruppe wieder zu einer Seine-Fahrt. Ein Stunde vom Pont Neuf zum Eiffelturm und zurück und um die Seine-Inseln herum. So sahen wir die Sehenswürdigkeiten noch einmal in Nachtbeleuchtung.

Montag 20.4.2015

Der Montag begann wieder auf der Ile de la Cite, aber diesmal widmeten wir uns der Hauptdarstellerin, der Kathedrale Notre Dame.
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Sie ist eine der ersten gotischen Kirchen, bei Baubeginn, wie bei Fertigstellung, denn man hatte von Anfang an geplant, auf Turmspitzen zu verzichten. Die Skulpturen an der Kirche handeln immer wieder von Sündenfall und vom jüngsten Gericht und dazwischen immer Marie und Jesus. Der Name und der Bildschmuck verraten den Begin der Marienverehrung: Das Bild der Frau wird aufgespalten in Sünderin (Eva) und Heilige (Maria). Die Einführung des Zölibats für Priester gehört in diese Zeit.
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Auf der Insel spielte im 12. Jahrhundert auch die Liebesgeschichte von Héloïse und Abélard: Pierre Abélard war Lehrer und verliebte sich in Héloïse, die Nichte seines Vermieters. Sie wurde schwanger, sie heirateten auch, aber weil Abélard sie ins Kloster schickte, wurde der Onkel wütend und liess ihn kastrieren. Héloïse blieb im Kloster und Abélard zog weiter und veröffentlichte später unter vielem anderen einen Roman über seine Beziehung in Form einer Briefesammlung. Wieviele dieser Briefe echt waren, wieviele dazuerfunden, weiss man nicht – die romantische Liebesgeschichte ist aber vielen Franzosen ein Begriff.

Das Marais – wir haben das Quartier gewechselt – besteht aus vielen kleinen Gassen, nur eine grosse Strasse durchquert es. Es ist das jüdische Viertel, was man an etlischen Läden mit nahöstlichen und koscheren Speisen sieht. Hier wurde einst der Film „Abenteuer des Rabbi Jacob“ mit Louis de Funès gedreht. Die Atmosphäre für die Juden in Paris (und Frankreich) hat sich in letzter Zeit geändert. Vor jeder Synagoge stehe Soldaten und viele französische Juden, die sich in Israel eine „Ferienwohnung“ gekauft haben, ziehen jetzt wirklich dorthin.

Den letzten Freigang nutzte ich zu einem Besuch des Prominentenfriedhofs Père Lachaise. Eines der bekanntesten Gräber dort ist jenes von Jim Morrison. Als ich es fand, standen etwas ein halbes Dutzend Leute davor. Alles Junge, nach seinem Tod geborene. Fotografiert habe ich aber nicht dieses Grab, sondern die zentrale Skulptur.
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Am Abend gab es, wie immer wenn man mit Studiosus reist, ein Abschiedsessen. Diesmal typisch französisch mit Chèvre chaud, Entenbrust und Schokoladeküchlein. Da ich vis-à-vis der Reiseleiterin sass, landete das Couvert mit dem Trinkgeld für sie bei mir und ich war somit gewählt, auch ein paar Worte zu sagen. Offenbar fand ich die richtigen, denn die Gruppe reagierte positiv. Mit einem Ehepaar aus Frankfurt, welches auch noch nicht ins Hotel wollte, ging ich noch zu einem Schlummertrunk in ein Bistro.

Dienstag 21.4.2015

Heimfahrt im Doppelstock-TGV und zurückdenken an Paris.
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Rom 2014

Samstag, 13. September: Die Anreise

Die erste Frage, die sich mir stellte, war: Zug oder Flug? Ich entschloss mich schnell zum ersteren. Mit 6 1/2 Stunden ab Spiez schneidet der Zug nicht viel schlechter ab, wenn man berücksichtigt, dass man meist ein Stunde früher auf den Flugplatz sein muss und nach der Landung auf das Gepäck warten  und nach dem Transfer suchen muss. Ausserdem ist das Hotel wenige 100 m vom Bahnhof Termini entfernt. Nur einmal umsteigen musste ich und ab Mailand konnte ich den italienischen Prestigezug „Frecciarossa“ besteigen. Ich hatte richtig gewählt.
Im Hotel lernte ich dann Reiseführerin und die Mitreisenden kennen. Erstmals bei einer Studiosus-Reise war nebst mir noch jemand aus der Schweiz dabei. Eine Frau – allerdings mit deutschem Freund. Sonst waren für einmal viele Alleinreisende dabei.
Wir machten schon mal einen Spaziergang zum Platz der Republik und zum Quirinalspalast und konnten nebenbei noch eine Carabinieri-Hochzeit bewundern. Bei diesem Spaziergang testeten wir auch gleich das Funksystem, d.h. die Leiterin hatte einen Sender und ein Mikrofon und alle Teilnehmer einen Empfänger und einen Ohrhörer. Das ist sehr praktisch, weil man sich nicht ständig um die Leiterin drängen musste.
Anschliessend machte ich mich noch selbst auf die Piste und landete schliesslich beim Nationalmonument Vittorio Emanuele, welches, wie ich schnell erfuhr, nicht besonders beliebt ist.

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Sonntag, 14. September: Rund um das Pantheon

Am Morgen ging es gleich wieder in Richtung des berüchtigten Denkmals. D.h. es ging zum Trajan Forum, einer ehemaligen Gladiatorenübungsstätte, die heute auch für ihre vielen Katzen bekannt ist. Allerdings sah ich keine. Es ging dann weiter durch enge Gassen bis zum Marktplatz Campo dei Fiori, wo wir uns eine Espresso genehmigten. An der Bar, hiess es im Programm, aber die meisten sassen doch lieber an einen Tisch.

IMG_3667Weiter auf der Piazza Navona wurden wir gerade Zeuge, wie ein Kardinal bei einer Kirche vorfuhr um diese zu weihen (oder weihte die Kirche ihn? Da kenne ich mich überhaupt nicht aus).

Der Trevibrunnen zeigt sich zur Zeit ganz trocken, denn er wird renoviert. So stellte sich die Frage, ob man ein Geldstück reinwerfen sollte, nicht. Werde ich nie wieder nach Rom kommen? Aber wir sind ja nicht abergläubisch.
Höhepunkt des Tages war natürlich der Pantheon. Der einzige Tempel, der die Christianisierung überlebt hat, weil er mitkonvertiert, also in eine Kirche umgewandelt, wurde. Die Kuppel, die Modell für alle folgenden Kuppeln wurde, mit dem Loch, durch das die Sonne am Mittag genau zum Eingang scheint.
Die gemeinsame Wanderung endete an der spanischen Treppe, die im wörtlichsten Sinne von Touristen besetzt ist. Wir erfuhren noch, dass die spanische Treppe eigentlich eine französische Treppe ist, weil Frankreich sie bezahlt hat. Weil sie aber auf den spanischen Platz mündet, erhielt sich den entsprechenden Namen. Von der Treppe aus sieht man in die Via Condotti, wo alle teuren Geschäfte sind.

DSCN0729Ich durchschritt sie eher unbeeindruckt. An ihrem Ende kommt man an den Tiber und ich wollte noch schnell den Fluss sehen. Zurück im Bahnhofquartier wählte ich einen irischen Pub zum Abendessen. Ausgerechnet dort erhielt ich erstmals ein naturtrübes italienisches Bier.

Montag, 15. September: Antike und Frascati

Rom, Antike ? Genau: Kolosseum.

DSCN0730So nennt man es allerdings erst seit späterer Zeit. Vorher war es einfach das Amphitheater der Flavier – der Kaiserfamilie unter der es erbaut wurde. Hier gab es Jahrhunderte lang das, was man noch heute „Brot und Spiele“ nennt: Vergnügen für das Volk, damit es still hält. Heute zahlt das Volk, um sich die Ruinen anzusehen.
Anschliessend besichtigten wir das Forum Romanum, das Zentrum des aufstrebenden Roms, wo Paläste, Tempel und Triumphbögen dicht an dicht standen. Am einen Ende des Forums befindet sich der Capitolhügel an dessen einer Flanke auch ein berüchtigtes Monument steht. Hier der Triumphbogen des Konstantin mit unserer Gruppe davor.

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Am Nachmittag gab es einen Ausflug mit dem Bus nach ausserhalb der Stadt. Erste Station waren die Katakomben der Domitilla. Domitilla war eine Frau aus einer Kaiserfamilie, die Christin wurde. Sie wurde von der Familie verbannt, konnte aber der Christengemeinde Land vererben, wo diese eine Kirche und unterirdische Begräbnisstätten einrichten konnten. Wir besichtigten einen Bruchteil der 17 km unterirdischer Gänge voller Grabesnischen. Wer erhofft oder befürchtet hatte, Mumien und Skelette anzutreffen, wurde enttäuscht. In den Katakomben befand sich im wörtlichsten Sinne kein Knochen.
Zweite Station war ein Weingut wo wir Fragen zum Weinbau stellen und Frascati degustieren konnten. Bruschetti gab es auch dazu. Auf dem Weg dorthin kreuzten wir ausserdem die Via Appia Antica, wo wir ein paar Schritte darauf machen konnten. An dieser Stelle war Fahrverbot (theoretisch), aber in Stadtnähe fuhren wir sogar darauf.

Dienstag, 16. September: Der Vatikan

Heute hiess es früh aufstehen, denn wir wollten die ersten an der Tür des Vatikanmuseums sein. Wir waren dann etwas die zwanzigsten, aber die Gruppen wurden sehr effektiv eingeschleust, so dass wir nur kurz warten mussten. Zeit brauchte nur die Verteilung der Kopfhörer und Funkempfänger, denn man darf nicht die eigenen verwenden.
Obwohl der Rundgang in der Sixtinischen Kappelle endet, wird sie schon am Anfang Thema. Weil dort Sprech- und Fotoverbot herrscht, stehen im Museumsgarten Plakate mit Fotos der Malereien, so dass die Führer anhand diesen alles erklären können.
Nach diesen Erklärungen wurden wir also durch das Museum geschleust. Vorbei an antiken Skulpturen, an Wandteppichen, durch von Raffael ausgemalte Zimmer und schliesslich auch durch eine moderne Galerie. In den Raffael-Zimmern verlor ich meine Gruppe, aber in die Sixtinische Kapelle mussten sie ja kommen und etwas früher dort zu sein, war gar nicht schlecht, so konnte ich Adams Hand und Gottes Hintern noch etwas länger anschauen.
Anschliessend schauten wir uns die grösste Kirche der Welt an. Unsere Führerin nannte sie immer „Petriskirche“. Mein verkorkstes Hirn hörte immer ein „n“ wo keines war. Aber das Thema „Wer hat den Grössten“ spielte beim Bau der Kirche schon mit.
Wir betrachteten unter anderem einen roten Punkt beim Eingang, d.h. einem Kreis von ca. 2 m Durchmesser, auf dem mit Sicherheit schon Karl der Grosse und x andere gekrönte Häupter gestanden haben, denn rot, resp. Purpur ist die Farbe der Könige.
Mehrere Skulpturen in der Peterskirche nehme Bezug auf Königin Christine von Schweden. Sie war etwas besonderes, weil sie als Tochter des wichtigsten Anführers der Protestanten im 30-jährigen Krieg zum Katholizismus zurückkehrte. Allerdings musste sie abdankten. Eine Widmung gibt es auch für die Familie Stuart, die einst Schottland und England zusammengeführt hat. Ganz aktuell hingegen ist die Inschrift am Sarkophag von Johannes Paul II, der bereits mit „Sanctus“ angeschrieben ist. Die Heiligsprechung ist ja noch nicht lange her.

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Nach sechs Stunden auf den Beinen war ich so müde, dass ich die Nachmittagsaktivitäten stark reduzierte. Also noch ein einem Seitengässchen Mittagessen – hatte den Vorteil, dass sie einen dort noch italienisch radebrechen lassen und nicht sofort auf englisch wechseln – und dann gemütlich Richtung Hotel. Nach einer Dusche ging ich noch einmal für ein Bier und kaufte mir eine Kleinigkeit zu Essen um den Abend in Hotelzimmer zu verbringen.

Mittwoch, 17. September: Tivoli und Kirchen

Tivoli ist, neben vielem, ein Vorort von Rom. Ein Dorf auf einem Vorhügel des Apennins, ideal als Sommersitz für reiche Römer. Solche waren auch die Familie d’Este, die der Welt im 16. Jahrhundert auch zwei Kardinäle beisteuerte. In dieser Zeit entstand auch die Villa d’Este, ein Haus mit Garten, aber was für einer.
Ein Schlossgarten mit einer Unzahl Wegen, Hecken und, das vor allem, Brunnen. Einer betreibt sogar eine Orgel, die jeden Morgen für fünf Minuten in Betrieb gesetzt wird. Während die heutigen Besucher den Park via die Villa betreten, war früher der Eingang am untersten Punkt des Gartens, so dass die Besucher erst den Park durchschreiten und sich schliesslich über Treppen und Schrägwege das Erreichen der Villa quasi verdienen mussten. Wir hingegen begannen, wie gesagt, im Haus und bewunderten erst die bemalten Wände der Gemächer. Nicht vergleichbar mit der sixtinischen Kapelle. Dies war Gebrauchskunst der damaligen Zeit: Landschaften, Porträts oder mystische Motive, wie diese Venus – garantiert nicht von Botticelli:

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Der Garten ist auch voller antiker Skulpturen. Diese kommen gleich aus der Nachbarschaft, dem Palast Kaiser Hadrians. Die Archäologie der damaligen Zeit bestand ein erster Linie aus dem ausgraben römischer Skulpturen um die eigenen Gärten zu verschönern.
Hadrian, auf italienisch Adriano, hat sich eine grosse Palastanlage geleistet, für sich und seine Gäste. Leider ist nicht mehr viel übrig, aber allein dieser Karpfenteich, der ursprünglich von einem Säulengang umgeben war, lässt erahnen, wie verschwenderisch hier angerichtet wurde.

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Es gibt noch eine grössere solche Anlage und diverse Paläste und Gästehäuser und…. und alles mit Mosaiken, sofern sie noch vorhanden sind. Bekanntlich gehörte auch das Badehaus zu den unerlässlichen Einrichtungen einer römischen Anlage. Da ist interessant, dass es hier nicht nur ein Privatbad für den Kaiser und eines für die Gäste gab, sondern auch eines für die Sklaven. Mehrere tausend sollen hier beschäftigt worden sein. Wenn die Sklaven somit auch sauber waren, hiess das noch nicht, dass sie auch durch die Parks wandeln durften. Die Anlage ist voller unterirdischer Gänge, über die die verschiedenen Gebäude vom Dienstpersonal bedient wurden.
Gerne hätten wir uns gut 1900 Jahre „zurückgebeamt“, um nur kurz Gast bei Hadrian zu sein und die Anlage ein der ganzen Pracht zu sehen. Aber wir mussten uns damit begnügen, bei der Rückfahrt davon zu träumen

Zurück in der Stadt, führte uns unsere Leiterin noch einmal in den Vatikan. Gleich neben unserem Hotel – in die Kirche Santa Maria Maggiore, die dem Vatikan gehört und darum exterritorial, also vatikanischer Boden ist. Dasselbe gilt für die Kirche San Pietro in Vincoli (Sankt Peter in Ketten), wo wir noch die Mosesskulptur Michelangelos bewunderten. Zwei Dinge fallen auf: Moses hat Hörner, was auf einen Übersetzungsfehler des alten Testaments zurückgeht und der Papst, dessen Grabmahl die Skulptur hätte sein sollen, wird in legerer Pose dargestellt.

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Nach dem Kirchenmarathon kam noch das Farewell-Dinner. In einem typischen Lokal ein nettes italienisches Essen mit Spaghetti, Schweinsbraten und Tiramisu. Und Hauswein.

Donnerstag, 18. September: Arrivederci Roma

Das ist schnell erzählt: 9 Uhr Frecciarossa nonstop nach Mailand. Dann Cisalpino bis Brig und dort noch einmal umsteigen bis Spiez.

Fastenwoche 2014

Ferien im Fastenhotel: 10. bis 17. März 2014

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Hittisau heisst das Dorf, das da in einer Hochebene eingebettet ist. Eine halbe Autostunde von Bregenz entfernt, nahe der deutschen Grenze, viele Wegweiser weisen nach Oberstaufen. Das Fastenhotel ist ca 2 km ausserhalb. Ich befinde mit beim Fotografieren etwa 150m oberhalb, am Ende des Weges, den wir jeden Morgen vor dem Frühstück machten.
Dies zeigt bereits, dass bei dieser Fastenkur – ich sage manchmal spasseshalber Fastenkurs – die Bewegung gross geschrieben wird. Am Vormittag Gymnastikstunde, am Nachmittag eine Wanderung und auch am Abend war meistens Bewegung angesagt. Der Grund ist klar: Der fastende Körper holt sich seine Energie, wo er kann und er soll dies nicht bei der Muskulatur tun.
Am ersten Abend gab es die letzte feste Nahrung: Gemüsesuppe mit Gemüsestücken. Ich setzte mich an den erstbesten Tisch und wohl tatsächlich an den besten. Wir waren nämlich alle Alleinreisende, resp. -fastende. Nebst mir zwei Frauen und zwei Männer und, was mich überraschte, nur die eine Frau älter als ich. Alle hatten schon Fastenerfahrung, nur der Jüngste im Bunde, der 29-jährige, versuchte es das erste Mal.

IMG_3302Natürlich sprachen wir nach wie vor von Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Kräutertee gab es immer, aber der „Hauptgang“ variierte. Am Morgen abwechselnd Apfelsaft und Sauerkrautsaft. Letzteren nahm ich aber nur einmal und stieg dauerhaft auf Apfelsaft um.
Das erste Frühstück enthielt noch eine besondere Komponente: Ein grosses Glas Wasser mit gelöstem Glaubersalz – einem Abführmittel. Das ist der unangenehmste Teil der Fastenkur. Beim Trinken und in der Stunde nachher. Aber ein von festen Bestandteilen befreiter Verdauungstrakt ist wichtig, nicht zuletzt, weil so weniger Hungergefühle entstehen. Und es war auch so: Ich hatte die ganze Woche keinen Hunger!

Von Tag zu Tag

Jeden Morgen startete ich um halb acht zum Morgenspaziergang, den die Fastenleiterin uns empfahl. Etwa 150 Höhenmeter, was nicht ganz meinem Geschmack entspricht, aber ich schaffte es. Da der Abmarsch individuell war, begegnete man beidwegs den meisten Teilnehmern und konnte bereits „Guten Morgen“ wünschen. Um zehn Uhr schon war Gymnastikstunde und auch die schwänzte ich nur einmal, weil ich dann in die Massage ging. „Schwänzen“ ist aber das falsche Wort, denn nichts war hier obligatorisch. Der eine Tischkumpan hatte sein Fahrrad mitgenommen und ging jeweils auf Velotour. Nicht schlecht, aber unsere Gymnastikstunden waren auch nicht ohne.

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High Noon mit Gemüse Bouillon. Nichts Festes darf in der Suppe sein. Warum aber Schnittlauch? – aber das ist mein ganz persönliches Drama.
Nach dem Mittagessen erhielten wir eine heiss gefüllte Bettflasche. Die musste man beim Mittagsschlaf auf die Leber legen, um deren Aktivität zu unterstützen. Besser sagt man wohl Mittagsruhe, in meinem Fall Mittagsmusik, denn wenn ich auf dem Zimmer war, lief immer auch mein Radio. Zu meiner Freude konnte man dort SWR1 empfangen. Die SRF-Programme auch.
Um 14 Uhr hiess es schon: ab zur Wanderung. In dieser Hinsicht ist das Hotel nicht so gut gelegen, dass man immer erst mit dem Hotelbus, Privatautos von Teilnehmern oder dem selten verkehrenden Linienbus zum Ausgangspunkt fahren musste. Die Wanderungen gefielen mir aber alle bestens und es zeigte sich, dass man sich beim Fasten nicht bei der Bewegung einschränken muss.

Im Vorarlberg war das Wetter übrigens genau so schön, wie bei uns. Nur am Samstag regnete es nachmittags leicht. Das störte aber auf der Wanderung niemanden, nur konnte man danach nicht noch auf dem Liegestuhl in der Sonne liegen.
Um 18 Uhr gab es Abendessen und man hatte die Auswahl zwischen einem Frucht- und einem Gemüsesaft. Ich wählte immer ersteren, denn ausser Rüebli habe ich nicht gerne Gemüse im Saft. Am Tisch plauderten wir zusammen über den vergangenen Tag oder erzählten, was wir sonst tun. Unser häufigstes Gesprächsthema war aber das Essen. Wir sprachen von Gemüse, Früchten und Vollkornbrot, aber auch von Pizza, Chips und Bier – ohne aber deswegen Hunger zu bekommen.
Das Abendprogramm war sehr vielfältig: Acrylmalen, Volkstanz, Pilates, Yoga, Meditation. Malen mochte ich nicht und statt tanzen ging ich mal in die Sauna. Die war auch täglich eingeheizt. So war man meistens um 20 Uhr reif zum Rückzug. Ich las jeweils noch ein bisschen und einmal schaltete ich den TV ein.

Das Ende
Am Montag Mittag war es soweit:

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Fastenbrechen: Die erste feste Nahrung – ein gedämpfter Apfel. Das sieht im ersten Moment nicht spektakulär aus, aber den jetzt herunterschlingen täte dem Magen gar nicht gut. So isst man den Apfel tatsächlich in aller Ruhe mit Messer und Gabel und geniesst jeden Bissen. Das Primeltöpfchen auf dem Bild ist das Abschiedsgeschenk der Hotels, als Erinnerung an die Fastenwoche.
Abschied war allerdings noch nicht angesagt, der Tag ging noch nach Plan weiter. Zum Abendessen eine Grünkernsuppe (habe ich bereits nachgekocht) und am nächsten Morgen schliesslich wirklich die Abschiedsmahlzeit.

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Ja, gesunde Ernährung wäre einfacher, hätte man jemanden, der einem jeden morgen ein so schön angerichtetes Müesli serviert. Aber jetzt hat mich und die anderen Teilnehmer der Alltag wieder – einige meiner Tischkollegen arbeiten sogar diese Woche wieder. Wir haben ein paar Ernährungstipps und Rezepte mitbekommen und ich versuche wenigstens den Rest meiner Ferienwoche noch in diesem Sinn weiterzuführen. Oder doch länger? Natürlich! Nicht so konsequent wahrscheinlich, aber doch einigermassen.

Was ich gemacht habe nennt man übrigens Heilfasten nach Buchinger oder schlicht Saftfasten und gemacht habe ich es hier: fastenkur.at

Wie es weiter geht

Ich habe mir vorgenommen, nach meiner Fastenwoche zu bescheidener und vernünftiger Ernährung zurückzufinden.
Einen „Entlastungstag“ empfahl man uns unter anderem. Also einen Gemüsetag (ok), Reistag (auch ok), Kartoffeltag (weniger ok) oder einen Früchtetag:

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Mittwoch ist Früchtetag, heisst darum mein neuester Vorsatz und diese Woche war Premiere. Mein Mitagessen also, zubereitet in unserer Cafeteria. Es ist gar nicht so schwer und das Schnippeln macht sogar Spass. So drappiert ist es ein richtiges Menu und der Saft ist natürlich auch frisch gepresst!

Wien 2012

Samstag, 18. August

Es war ein langer Tag, denn ich erwachte schon um vier Uhr morgens. So war ich schliesslich auch eine Stunde früher im Flughafen, als geplant. Es hatte bereits viele Leute. Da ich am Automaten eincheckte, konnte ich aber an der kürzeren Schlange anstehen. So „genoss“ ich die übliche Langeweile vor dem Flug.
In Wien angekommen, kaufte ich mir gleich eine Wochenendkarte für den ÖV und fuhr mit der S-Bahn in die Stadt. Die Wegbeschreibung und die Recherche auf Maps waren so gut, dass ich das Haus mit meiner Ferienwohnung problemlos fand. Eine Parterrewohnung mit Fenster in den Innenhof, also relativ kühl, was natürlich bestens passt. Kaum ausgepackt, hiess es Vorrat einkaufen, bevor die Läden schliessen. Dann konnte die Stadtexkursion beginnen.
Ich spazierte dem alten Donaukanal entlang bis zum Schiffshafen am Schwedenplatz, wo ich gleich nach den Abfahrtszeiten des Schiffes nach Bratislava schauen konnte. Bereits ein Programmpunkt für Montag. Dann ging es in die Stadt hinein, direkt hierhin:
Stephansdom
Hier wurde ich gleich daran erinnert, dass am Samstag „Al Quds“-Tag war – Feiertag der Islamisten. Die österreichischen Antifas sind schon auf dem neuesten Stand, wie mit dieses Transparent zeigte. Ja, Antifanten mit einer Israel und einer USA Flagge … wirklich erstaunlich.
Aber mit war nicht nach Politik. Ich wollte sogleich einen „Auftrag“ erfüllen, den mir Hausfrau Hanna gestellt hatte. Ich ging ins Katzencafé:
Katzencafé
Mein Gegenüber zeigt allerdings kein Interesse an Konversation und schlief weiter, als ich mich an den Tisch setzte. Auch die anderen Katzen verhielten sich ziemlich passiv zwischen den Tischen. Sie sind hat den Kaffee-Betrieb gewohnt.
Ich kreuzte noch ein bisschen weiter in der Altstadt herum und landete schliesslich vor dem Rathaus. Kulturell herrscht in Wien gerade Flaute, aber die Stadt spendiert den Bürgern ein Open Air Festival bestehen aus Musical- und Konzertfilmen. Die leeren Stühle auf dem Bild hier täuschen, alle waren schon mit Jacken und dergleichen besetzt. So hatte ich halt einen Stehplatz, wie viele andere auch und sah „Das Phantom der Oper“, die Verfilmung von Webbers Musical.
Nettes Zusammentreffen, denn vor über zwanzig Jahren, als ich das erste Mal in Wien war, sah ich eine Aufführung ebendiesen Musicals. Noch mehr als damals, bemerkte ich dieses Mal, wie schwülstig das Ding eigentlich ist. Aber als Auftakt zu einem Aufenthalt in Wien, ist es vielleicht gerade das richtige.
Bei der Rückfahrt habe ich beinahe die falsche U-Bahn genommen, es aber noch rechtzeitig bemerkt. Erst am Sonntag hingegen bemerkte ich, dass das Tram, welches 200 von meiner Wohnung entfernt hält, auch vor dem Rathaus durchfährt. Man lernt immer dazu.

Sonntag, 19. August

An diesem Tag wollte ich mal ausgiebig die Wiener Tramlinien erforschen. Als erstes „mein“ Tram, welches statt einer Nummer, den Buchstaben „D“ hat. Erst ging ich ein Stück der Strasse Richtung Zentrum entlang. Am Sonntag Morgen sind Stadtstrassen so angenehm ruhig. Das Gebäude, das ich schon vom Kanal aus gesehen habe und mich an Feldschlösschen erinnerte erwies sich von nahem als Polizeiquartier. Dann stieg ins nächste Tram und fuhr bis zum Schwarzenbergplatz. Dort wollte ich natürlich herausfinden, wer das war.
Russisches Denkmal
Gleich dahinter befindet sich eine Gedenkstätte für die im Krieg gefallenen russischen Soldaten und, was man zur Zeit besonders gerne sieht, ein grosser Brunnen. Von dort aus ging ich den Rest der Linie zu Fuss und entdeckte so das Schloss Belvedere. Am Schluss stiess ich auf eine riesige Baustelle. Hier wird gerade der Südbahnhof – Endstation des Trams D – umgebaut vom Sackbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof. Gemäss Beschriftung soll dies sogar einmal der Hauptbahnhof sein.
Ich bestieg wieder das Tram und fuhr direkt zur anderen Endstation nach Nussdorf. Auch diese Stelle ist gut zu kennen, denn dort beginnen die Touren durch die Weinberge zu den Heurigen-Lokalen. Ich schaute mit erst ein bisschen das Dorf an, es ist tatsächlich ein Winzerdorf mitten in der Stadt. Bei der Rückfahrt stieg ich noch einmal beim Fernheizkraftwerk aus. Das berühmte mit der Hundertwasserarchitektur.
Fernheizung
Im Weiteren fuhr ich auch noch zum Westbahnhof, wo die Züge in die Schweiz fahren und wanderte schliesslich durch die Leopolds-Strasse. Eine Strasse mir vielen Läden, die ich auch an einem Werktag noch einmal abschreiten will. So gelangte ich wieder ins Zentrum zum Stephansdom, wo ich ein Restaurant ansteuerte – ein typisch österreichisches – den Wiener Wald. Ich hatte schon lange nichts mehr gegessen und bestellte mir ein Cordon Bleu. Ein Riesending.
Wohlgenährt ging ich in die Wohnung zurück, mich ein bisschen auszuruhen. Was tun am Abend? Ich entschloss mich für den Prater, denn da ist auch am Sonntag Abend noch etwas los. Ich gönnte mir noch ein Bier in einem Biergarten und schaute zu, wie sich die Leute in die Höhe schiessen lassen. Nichts mehr für mich.

Montag, 20. August

Den Tag begann ich damit, mich beim Veloverleih „Citybikewien“ einzutragen und einer kleinen Probefahrt dem Donaukanal entlang. Als Resultat war ich bereits so verschwitzt, dass ich wieder das Hemd wechseln musste.
Dann kaufte ich noch kurz ein und machte mich zum Schiffhafen auf. Bratislava war das Ziel des Tages. Alle „billigen“ Plätze waren schon gebucht, so nahm ich den „Logenplatz“ zuvorderst für 32 statt 29 Euro. So konnte ich hinter der Frontscheibe sitzen und schauen, wie wir die Donau abwärts tuckerten, soweit man bei einem Katamaran von tuckern sprechen kann. Ich hatte erwartet, dass wir viele Lastkäne antreffen. Aber es waren in diesen 75 Minuten nur zwei, sowie zwei Ausflugsschiffe und ein Kajak.
Schloss Bratislava
In Bratislava angekommen, war mir schnell klar, dass die Burg wohl zum dort hinaufsteigen da war. Zuerst wandelte ich noch etwas in der schönen Altstadt und lieferte mir mit einem Eis die Energie zu. Ich schaffte den Aufstieg und das Beste war, zur schönen Aussicht gab es auch noch Wind.
Bratislava
Interessant an der Aussicht hinunter zur Altstadt ist das Gebäude rechts unten. Es ist kein echter Sakralbau, sondern ein Modell einer Synagoge, die nicht etwa von den Nazis, sondern vom kommunistischen Regime zerstört wurde.
Ich ging auch gleich wieder dort hinunter, um mir eine Erfrischung zu gönnen. Anschliessend musste ich noch den Bahnhof finden, was iPhone sie Dank, gut gelang. Der Regionalexpress, der gar nicht so Express war, brachte mich zum bereits bekannten Südbahnhof. Ich beobachtete die Fahrgäste ein wenig und fand heraus, dass wohl viele Wiener in Bratislava günstig einkaufen gehen.

Dienstag, 21. August

Diesen Tag wollte ich sachte angehen. So setzte ich mir nur ein Ziel, die UNO-City. Dort angekommen ging ich erst einmal durch den Donaupark zum gleichnamigen Turm. Ich wollte Wien mal von oben sehen. Auf dem Turm zog es kräftig – welche Wohltat – und man hatte wirklich eine gute Aussicht. Vor allem die Donau: Die beiden Flussläufe, die Donauinsel dazwischen und die alte Donau, ein abgeschnittenes Mäander. Die Altstadt hingegen ging im Häusermeer unter. Diese Gegend ist ein Hochhausquartier. Beim Park Wohnhäuser, bei der UNO-City (allgemeiner das Vienna International Centre) Bürohäuser.
Donaustadt
Dann ging ich schliesslich in Besucherzentrum und meldete mich für eine Führung an. Wir waren eine angenehm kleine Gruppe, nur eine vierköpfige Familie und ich und der Führer – ein Chinese. Von der drei Organisationen, die in Wien ihren Sitz haben, ist die IAEA, die Atomenergieorgansiation, die wichtigste. Es seien die eher technischen Organisationen, die in Wien ihren Sitz haben, während in Genf die humanitären Organisationen sind. Bei der Erwähnung von Genf wurde mir klar, dass ich noch gar nie dort im Völkerbundspalast war.
Man fragt sich ja immer wieder, ob es die UNO wirklich braucht, wo doch immer noch so vieles schief geht. Man kann darauf sicher auch mit Erfolgsmeldungen antworten und mit der Gegenfrage, ob es vielleicht ohne UNO nicht noch viel schlimmer wäre.
Nachdem ich in der Stadt ein kleines Zvieri genommen hatte, ging ich in die Wohnung zurück um mich etwas auszuruhen. Dann verliess ich die Wohnung wieder um auf dem Rathausplatz wieder einen Film zu schauen … aber dann beliess ich es bei einem kleinen Quartierspaziergang und ging früh ins Bett. Die Hitze und die langen Distanzen fordern langsam ihren Tribut.

Mittwoch, 22. August

Ich kenne mich nicht speziell auf den Friedhöfen dieser Welt aus, aber der Wiener Zentralfriedhof ist sicher einer der bemerkenswertesten. Interessant wie die Familien des letzen und vorletzten Jahrhunderts ihre Grabmäler gestaltet haben. Wie gezeigt wird welcher Hofrat oder Kommerzrat hier mit Entourage begraben liegt.
 Zentralfriedhof
Aber auch in der Neuzeit geht das so. Hier ging einer soweit, nicht nur seine Wittwe, sondern auch sein (vermutlich) Lieblingsspielzeug, einen Mercedes, auf dem Grabmal abzubilden.
Auch an andere Kulturen ist gedacht: Eine orthodoxe Kappelle, ein russischer Soldatenfriedhof, eine buddhistische Gedenkstätte.
Ein zweites Mal Theater erlebte ich am Nachmittag bei einer Führung durch das Burgtheater. Das Burgtheater sollte vom bekannten Gottfried Semper geplant werden, der wurde aber von seinem Wiener Assistenten ausgebootet, weil dieser die Bedürfnisse des Kaisers besser erfüllen konnte. Zu diesen gehörte auch je ein separater Eingang für die Kaiserfamilie und für den Hofstaat. Die Deckengemälde dieser Eingänge wurden von Gustav Klimt, seinem Bruder und seinem Schwager gemalt.
Burgtheater
Dieser Bühnenraum ist der grösste für ein Sprechtheater weltweit. Nur Opernhäuser sind grösser. Aber auch hier gibt es zwischendurch Opern oder Konzerte. Damit verdient das Burgtheater etwas Geld zusätzlich, denn es ist nur zu vierzig Prozent selbsttragend.
Nach soviel Kunst zog es mich noch in die Natur. D.h., künstlich war mein nächstes Ziel auch, die Donauinsel. Ich packte mir ein City-Bike und fuhr bis zum nördlichen Ende, so die Donau geteilt wird.
Trennung Donauarme
Dort trafen sich allerlei Leute, mit Skates oder Renn- oder Mountainbikes. Ich schämte mich fast ein bisschen mit meinen Leihrad. Aber nein, ich hatte es schliesslich mit diesem schweren drei-Gang Ungetüm geschafft, wenigstens einen Drittel dieses 20-km langen Flusshügels abzufahren.

Donnerstag, 23. August

Beinahe hätte ich es vergessen, das Schloss Schönbrunn:
Schönbrunn
Das hier ist ja nur der Vorhof. Da geht der gemeine Tourist erstmal zu einem Nebeneingang hinein und nimmt an einer Führung teil. Der Individualtourist nimmt den Audioguide, denn da hat man den Ton immer am Ohr, kann auch was wiederholen und über die Gruppen lästern, die einem den Weg versperren. Die interessantesten Figuren, die in diesem Schloss gewohnt haben, sind zwei Frauen: Elisabeth und Maria-Theresia. Die eine machtlos, die andere sehr mächtig. Beim berühmten Bild Maria-Theresias, welches auch im Wiki-Artikel zu sehen ist, mit Titel „erste Dame Europas“ erinnerte mich gerade an eine andere Frau, die das wohl heute ist, wenn auch in schlichterem Kleid.
Schönbrunn
Vom Pavillon hinter dem Schlosspark aus, hat man diese schöne Aussicht. Ich nehme an, Kaisers liessen sich damals mit der Kutsche auf den Hügel bringen. Die heutigen Touristen müssen sich schon zu Fuss hinaufbequemen – sie sind allerdings auch sportlicher gekleidet, als jene damals.
Nach Schönbrunn ging ich noch zum berühmten Hundertwasserhaus. Ich stellte fest, dass mich das Haus nicht mehr so beeindruckt, wie vor 20 Jahren. Vielleicht weil noch mehr Fassade hinter Bäumen ist, vielleicht weil es definitiv von Touristen überlaufen ist, denn hier ist kein Schlosspark, sondern eine normale Stadtstrasse. Da es bereits Mittag war, zog ich weiter, denn ich hatte auf einer Tramfahrt eine Gasthausbrauerei entdeckt. Dort leistete ich mit einen Fiakergulasch und ein Märzen.
Danach zog ich mich noch etwas in die Wohnung zurück, bevor ich mein letztes Ziel anvisierte: Den Heurigen. Leider begann das mit einer kleinen Enttäuschung: Das Bähnchen, dass einen zu den Heurigenlokalen führt – am Sonntag noch mit täglich angeschrieben – hat genau jetzt auf Wochenendbetrieb umgestellt. So beschränkte ich mich auf den abwandern eines Spazierweges, immerhin Beethovengang genannt, und beschloss den Abend auf dem Rathausplatz.

Nachlese

Mistplatz

Mistplatz

Gemäss Cliché sind Österreicher und insbesondere die Wiener sonst eher aufs Förmliche aus. So wunderte ich mich sehr, dass das, was wir „Entsorgungsstelle“ nennen, hier schlicht „Mistplatz“ heisst.

Fressplatz

Fressmeile vor dem Rathaus

Juli und August ist – oder war – vor dem Rathaus ein Filmfestival und dazu gehörte auch eine veritable Fressmeile. Über ein Dutzend Stände, jeder mit einem Thema wie Tirolerisch, Wienerisch, Amerikanisch, Persisch etc. Überall erhielt man Porzellanteller und Gläser (aber Plasic-Besteck), die man stehen lassen konnte und die wohl ein eine zentrale Abwaschstelle abgeräumt wurden.

Halteplatz

Haltestelle

Die Wiener Tram- und Bushaltestelle haben immer noch ihren altertümlichen Design. Manchmal ist es gar nicht so einfach, von Weitem festzustellen, welche Linie dort fährt. Aber an vielen Haltestellen gibt es zusätzlich die Leuchtschrift mit der Angabe, wann das nächste Fahrzeug kommt. Und wenn es sich dabei um ein altes Tram handelt, wird auch noch angezeigt, wie lange man auf ein Niederflurtram warten muss.

Rabenplatz

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Beim Aufstieg zum Schloss von Bratislava, kommt man an dieser rätselhaften Figur vorbei. Es scheint im wörtlichsten Sinn eine Rabenmutter zu sein. Oder eine Rabenfee. Vielleicht handelt es sich um eine Darstellung aus dem Märchen „Die sieben Raben„. Dann wäre es die Rabenschwester. Wie dem auch sei – mir gefällt die Skulptur und schliesse mit ihr meinen Reisebericht ab.

Israel 2012

Eine wöchige Rundreise mit Studiosus. Eine Reisgruppe mit 29 Teilnehmern – 2 Österreicher, 2 Franzosen, ein Schweizer und der Rest Deutsche. Die Reseleiterin jüdische Israelin, der Busfahrer christlicher Araber mit israelischem Pass.

17. März: Nach Tel Aviv

Drei Stunden vor Abflug einchecken, lautete die Anweisung. Ich brachte es auf zweieinhalb und es funktionierte. Ich hatte einen Fensterplatz und konnte den ganzen Flug bei wolkenlosem Wetter mit bester Aussicht geniessen.
Nach überstandener Passkontrolle sammelte sich die Reisegruppe und wir lernten unsere Reiseleiterin kennen. Die erste Busfahrt führte gleich in die historische Stadt Jaffa. Die Altstadt ist heute ein Künstlerquartier mit vielen Galerien und die Strassen sind nach Tierkreiszeichen benannt. Diese tauchen immer wieder auf, so auf einer Brücke und in einem Brunnen.

Jaffa

Danach ging es zu einem Hotelkasten am Strand von Tel Aviv, wo wir die Erfahrung machen konnten, dass man am Shabbat das Zimmer oft erst nach dem Abendessen beziehen kann, weil die Shabbat-Gäste erst nach Sonnenuntergang aus-checken müssen.
Trotz des kalten Windes machte ich noch einen Verdauungsspaziergang dem Strand entlang und staunte über die vielen Jogger. In den Bars begann langsam das Nachtleben, aber ich zog mich müde ins Hotelzimmer zurück.

18. März: Von Tel Aviv über Cäsarea und Akko zum See Genezareth

Jetzt begann die Reise richtig. Als erstes fuhren wir nach Cäsarea, ein antike römische Stadt, die unter Herodes dem Grossen (dem aus der Bibel) gebaut wurde. Schon der Name sagt, dass Herodes mit dieser Stadt der Macht, von der er abhängig war, Tribut zollte. Die Stadt hatte einen grossen Hafen, einen mächtigen Tempel (den es nicht mehr gibt) und Vergnügungsstätten wie Bäder, Rennbahn und natürlich ein Theater, das auch heute noch genutzt wird.

Cäsarea

Cäsarea war lange eine wichtige Handelsstadt und war auch unter den Kreuzrittern noch von Bedeutung. Noch wichtiger für diese, war aber Akko. Dorthin führte unser Weg als nächstes.
Eine Anlage der Kreuzritter mit Kirche, Sälen, Ställen und unterirdischen Fluchtgängen, von denen man immer neue entdeckt. Es ist eine mehrheitlich arabisch-muslimische Bevölkerung, die die touristische Auswertung der Altstadt von Akko betreibt. Dazu gehört auch der Wirt, bei dem wir zu Mittag assen. Dort lernten wir, dass, wenn man zum Essen reserviert, schon diverse Salate auf den Tisch kommen und man dazu ein Falafel oder ein Schawarma (=Gyros=Kebab) bestellt.
In Akko konnten wir auch einen Blick in die Moschee werfen. Akko sei eine sehr weltliche Stadt, sagte unserer Reiseleiterin, die Moscheen seien meist leer.
Weiter ging die Reise nach Osten, bis wir endlich den See Genezareth sahen:

See Genezareth

Wir mussten nur noch das Südufer umrunden, um den Kibbuz En Gev zu erreichen. Zum Kibbuz gehört eine Ferienanlage am See mit kleinen Bungalows. Nicht so luxuriös, wie das Hotel des vorherigen Abends, aber mit bester Aussicht.

See Genezareth

19. März: Sehenswürdigkeiten am See und Nazareth

Der Vormittag war ganz dem Nordteil des Sees und dem biblischen Evangelium gewidmet. In Kafarnaum steht noch die Ruine der Synagoge, in der Jesus von Nazareth gelehrt haben soll.
Auch ein Beispiel moderner Architektur ist zu bewundern. Über der Ruine eine achteckigen byzantinischen Basilika steht auf Stelzen eine ebenfalls achteckige moderne Kirche, die in der Mitte einen Glasboden hat, durch den man die antiken Teile sehen kann. In Kafarnaum soll auch die Speisung der fünftausend mit einem Fisch und zwei Broten geschehen sein.
Wir machten anschliessend eine kleine Fahrt auf dem See. Leider erwies ich das, was ich erst für einen Morgennebel gehalten hatte, als hartnäckiger Ganztagsnebel, so dass wir ausser Wasser (und Nebel) nichts auf der Fahrt sahen. Anschliessend ging es in die Höhe – auf den Berg der Seligpreisungen.
Hier also soll Jesus seine Bergpredigt, bekannt durch die Sätze „Selig sind die…“, gehalten haben. Wer es nicht mehr wusste, konnte es in der Basilika – auch hier achteckig – auf lateinisch nachlesen.
Der Berg ist voller Pilgergruppen, die hier singen, beten oder eine Bibellesung abhalten. Eine Nonne musste immer wieder auf dem Vorplatz der Basilika um Ruhe bitten. Aber auch Gläubige sind nebenbei schwatzhafte Touristen.
Berg der Seligpreisung
Der nächste Kollege, den ich vor mir hatte war allerdings stumm. Er war ja auch ein Fisch und gebraten. Der Petrusfisch ist ein Barsch, der im Jordan Tal vorkommt. Ich liess ihn mir, im Gegensatz zu den meisten der Reisegruppe, ganz servieren. Ich wollte wissen, wie er aussieht.
Petrusfisch
Den Nachmittag konnte man in der Feriensiedlung verbringen oder nach Nazareth fahren. Ich entschied mit für letzteres, nach dem Motto: Ausruhen kann ich mich zuhause wieder. Nazareth ist hügelig, die Strassen sind verstopft und der Bus spuckte uns dort aus, wo es Dutzende anderer Busse auch tun. Bei der Verkündigungsbasilika.
In Nazareth gibt es gemäss Wiki auch viele christliche Araber, aber auf dem Weg zur Basilika wird dem Touristen auf Plakaten Englisch und deutlich erklärt, welches die wahre Religion ist. Dann kommt man aber in ein Zentrum der Marienverehrung. Die Basilika selbst und ein Säulengang davor sind voll von Mariendarstellungen aus der ganzen Welt.
Nazareth
Der untere Teil der Basilka ist um jene Felsnische herumgebaut in der Marie von Erzengel Gabriel besucht wurde. Er verkündete ihr ihre Schwangerschaft, obwohl sie gar keinen Schwangerschaftstest angefordert hatte. Kein Wunder erschrak sie.
Wir waren nicht ganz alleine dort. Vor allem eine schier unendliche Menge nummerierter Touristen wurde durchgeschleust. Ein Mitreisender schloss aus der Nummerierung, dass es sich um Reisende eines Kreuzfahrtschiffes handelte. Unser Busfahrer drängte sich pünktlich zwischen die Kreuzfahrer und brachte uns sicher zu unserer Unterkunft zurück.

20. März: Durch das Jordan Tal ans tote Meer mit Massada und Qumran

Südwärts, war die Devise des Tages. Das hiess, dem Jordan entlang, westlich der Grenze zu Jordanien durch diesen Landesteil zu fahren, der vielleicht einmal das selbständige Land Palästina sein würde (oder vielleicht auch nie werden wird). Abgesehen von zwei Grenzkontrollen, die den Bus nur durch winkten, war aber von der Situation nicht viel zu merken.
Noch in dieser Zone befinden sich die Ruinen von Qumran. Es soll eine Art Kloster gewesen sein, wo Männer und Frauen lebten und wo man sich der Produktion religiöser Schriften widmete. Da viele rituelle Räume vorhanden sind, waren wohl die Bewohner auch streng religiös. Ob das heisst, dass jede  nicht religiöse Diskussion verboten war, wie es der Info-Film des Museums nahelegte, glaube ich persönlich weniger. Schliesslich hatten die Bewohner sich auch mit Vorratshaltung und Unterhalt der Gebäude zu befassen. Wie dem aus sei – Qumran wurde berühmt, weil man ein einer Höhle eine Menge alter Schriftrollen entdeckt hatte. In dieser nämlich:
Qumran

Nächste Station war Massada. Diese Felsenfestung wurde zum Symbol des Freiheitswillens, weil dort eine jüdische Gemeinde Massenselbstmord beging, um der Gefangenschaft durch die Römer zu entgehen. Die Römer hatten eine Rampe aus Sand gebaut, um zu Festung hoch zu kommen. Die Touristen von heute haben es leichter – sie können die Treppe nehmen oder, bequemer, die Seilbahn. Massada gehört ganz offensichtlich zu den Muss-Zielen israelischer Schulreisen.
Heute sind die Ruinen nur noch von Rabenvögeln bewohnt.
Massada

Nach diesen Besuchen in altem und uraltem Gemäuer, endete der Tag in einem modernen Gebäude, in einem Hotel in Ein Bokek. Gleich in den 17. Stock verschlug es mich und von dort aus sah ich den Ort der letzten neuen Erfahrung des Tages – den Hotelstrand.

Totes Meer

Ich kann es jetzt bestätigen: Man kann im toten Meer auf dem Rücken liegen und geht tatsächlich nicht unter. Man kann nicht auf dem Bauch liegen und schwimmen, denn dann dreht es einen und Salz in den Augen hat man dann auch und das brennt. Ausserdem ist das Wasser im März höchstens 18 Grad, das Experiment also nur kurz.

21. März: Fahrt nach Jerusalem mit Besuch der Oase En Gedi und Bethlehem

Die Schnellstrasse durch die West Bank hat für viele Teile Israels den Weg nach Jerusalem deutlich verkürzt. Auch den vom Toten Meer her.
Wir machten aber schon bald Halt – in der Oase En Gedi. In der Oase und darum herum gibt es eine besondere Tierwelt. Antilopen und Steinböcke, die bereits in Massada bewunderten Raben und die Klippschliefer. Letztere erinnern an Murmeltiere, sind aber u.a. mit den Elefanten verwandt. Die Klippschliefer in En Gedi sind Touristen gewohnt und lassen sich vom klicken der Fotoapparate nicht beim schlafen stören. Im Tal von En Gedi hat es zwei Wasserfälle. Einen kleinen, leicht erreichbaren, und einen etwas grösseren, zu dem zu wandern, in unserer Gruppe freiwillig war. Grund: der gefährliche Weg. Unsere Reiseleiterin war wohl aus Erfahrung vorsichtig, denn ein Weg wie dieser gibt es bei uns in jedem Wald.
Ein Gedi
Das Besondere ist, dass diese Wasserfälle, dieses Bächlein mitten in der Wüste fliesst und eben diese Oase ermöglicht.
Als nächstes ging es auch mit dem Bus wieder hinauf. Hinauf auf … über Null. Nach Jerusalem, resp. zuerst nach Bethlehem. Unsere Reiseleiterin musste uns verlassen, da sie nicht in dieser Funktion nach Bethlehem darf. Der Profiteur dieses Umstands hiess Hannah – Johannes auf Arabisch – und empfing uns dort. Er führte uns erst in eine evangelische Kirche und schliesslich ins dazugehörige Gemeindehaus, wo wir zu Mittag assen. Dann gab es ein Treffen mit dem dortigen Gemeindepfarrer Mitri Raheb, der über die Situation in Bethlehem und in der Westbank sprach. Dass Raheb auf die Israelische Politik nicht allzu gut zu sprechen ist, versteht sich. Er hielt sich aber mit Kritik zurück und sprach eher über ein Folgeproblem unter dem Bethlehem leidet: Die Abwanderung. Dadurch wird auch in der familienorientierten arabischen Gesellschaft die Altersarbeit wichtiger, weil viele alte Leute allein leben. Weiteres Thema war die Emanzipation junger Palästinenserinnen mit … Fussball. Es gibt tatsächlich eine Palästinensische Frauen-Nationalmannschaft und die wird u.a. unterstützt vom FC Basel!
Zu den touristischen Sehenswürdigkeiten Bethlehems gehört natürlich die Geburtskirche, die um jene Grotte (eben kein Stall) gebaut wurde, in der Jesus geboren sein soll. Da interessanteste ist aber der Eingang.
Geburtskirche Bethlehem
Ursprünglich hoch und rechteckig konnte man noch zu Pferd (man denke an die Kreuzfahrer) eintreten. Später wurde der Eingang zu einem normalen Fussgängertor mit Rundbogen zurückgebaut. Schliesslich beschloss jemand (wer, weiss ich nicht), dass man diesen Ort nur noch in demütig gebückter Haltung betreten sollte und so blieb es bis heute. Wer sich nicht bücken will, kann aber auch über die angebaute katholische Kirche ein und aus gehen.
Nachdem wir uns von Bethlehem und unserem Guide Hannah verabschiedet hatten, fuhren wir erstmals durch einen schwer bewachten Grenzübergang. Schon die Mauer, welche Bethlehem von Jerusalem trennt, hat etwas furchterregendes. Diesmal wurde der Bus nicht durchgewinkt, sondern zwei  Soldaten kamen herein um die Passagier zu mustern. Sie verabschiedeten sich mit einem freundlichen – oder doch eher gelangweilten – „welcome“.
Mit der Ankunft im Hotel war das Tagesprogramm beendet. Wir sollten am nächsten Tag früh raus.

22. März: Die Altstadt von Jerusalem

Um halb acht mussten wir beim Eingang zum Tempelberg stehen, der erst um acht öffnen würde. Es wurde fast neun, bis wir wirklich durch die Sicherheitskontrolle durch waren. Hier steht die Al Aksa Moschee und der berühmte Felsendom. Ich habe natürlich einige Bilder davon gemacht, aber am besten gefällt mir dieses, wo unsere Reiseleiterin mit ihrem roten Schirm davor steht.
Jerusalem Felsendom
Um zehn Uhr werden die Touristen wieder vertrieben, damit der Tempelberg wieder ganz den Muslims gehört. So führte uns unsere Reiseleiterin in die Altstadt in ein kleines Café, wo sie uns ein Glas Saft und Baklava spendierte. Dies stärkte uns für den langen Marsch durch die engen Gassen mit ihren hundert Läden, bis wir schliesslich bei der Grabeskirche ankamen. Dieser Ort ist allen christlichen Konfessionen heilig, ausser – paradoxerweise – der evangelischen. Einer der auffälligsten Teile ist eine Felsplatte, auf der der Leichnam Jesu vor der Grablegung in die Tücher gewickelt sein soll.
Jerusalem Grabeskirche
Vor allem die Besucher russisch-orthodoxer Konfession kommen nicht umhin, davor niederzuknien und den Stein zu berühren. Die Kirche ist voller Altare und Grotten. Pünktlich am Mittag machte ein griechisch-orthodoxer Geistlicher (oder ein Kopte oder ein Armenier oder…) die Runde mit einem Weihrauchgefäss um den heiligen Ort zu reinigen.
Für den späteren Nachmittag gab uns die Reiseleiterin ein paar Tipps. Ich entschied mich für die Stadtmauer, einem Gang vom Jaffa-Tor bis zum Damaskus-Tor. Ein Stadtmauerwanderung ist ideal um sowohl die alte, wie auch die neue Stadt zu sehen. Leider umfasst dieser begehbare Teil nur einen Viertel. Am modernen Jerusalem beeindruckte mich vor allem das Tram.
Jerusalem Tram
Zugegeben, nicht das erste und wichtigste, was einem im Zusammenhang mit Jerusalem einfällt, aber man kann sich ja nicht immer nur mit Ruinen befassen. Modern blieben wir auch, indem wir, um auf den Bus zuwarten, in der Ladenstrasse vor dem Jaffa-Tor einen Kaffee trinken gingen.
Nach dem Abendessen fuhren wir noch einmal raus auf den Ölberg zur Sicht auf das nächtliche Jerusalem und einem Glas Wein im Freien.

23. März: Gedenkstätte Yad Vashem und Ölberg

Nicht nur, aber besonders wenn man mit einer deutschen Reisegruppe in Jerusalem ist, gehört die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem zum Pflichtprogramm. Die Anlage besteht unter anderem aus einer Kindergedenkstätte – einer Spiegelgrotte, die mit nur drei Kerzen beleuchtet wird – , einem Hain der Gerechten, wo die Namen von Leuten, die Juden gerettet haben zu lesen sind und dem Museum, das chronologisch die Verfolgung und Ermordung der Juden im zweiten Weltkrieg dokumentiert. Für einmal ist man froh, wenn die Schweiz nicht genannt wird.
Nächste Station war das Israel-Museum, wo man eine Original Schriftrolle von Qumran bewundern konnte (von lesen will ich nicht sprechen). Am intensivsten jedoch betrachteten wir das Modell des alten Jerusalem.

Jerusalem
Danach ging es wieder auf den Ölberg, von wo wir auf einer steilen Gasse zum Garten Gethsemane hinunter marschierten. Ich befand sowohl den Garten, wie auch die dazugehörige Todesangstkirche für nicht besonders sehenswert.
Jetzt kam noch der sonderbarste Teil der Stadtrundfahrt. Es galt den Stadtteil Mea Shearim „möglichst unauffällig“, also ohne gezückte Fotoapparate, zu durchfahren. Es ist das Viertel der ultraorthodoxen Juden. Männer in dunkler Kleidung mit Hut und Zapfenlocke, Frauen mit Kopftuch und langen Röcken (aber trotzdem nicht mit Musliminnen verwechselbar). Alle beschäftigt mit letzten Einkäufen, denn es war Freitag und mit dem Sonnenuntergang beginnt der Shabbat, an dem so ziemlich alles verboten ist. Auch die Durchfahrt durch Mea Shearim.
Vor dem Abendessen traf sich die Reisegruppe noch einmal um Bilanz zu ziehen. Eine sehr positive Bilanz, auch in meinen Augen. Die Reise befriedigte sowohl die historisch Interessierten, als auch jene, denen es um die biblischen Orte ging. Und auch diese, die wie ich, einfach ein bisher unbekanntes Land ein bisschen besser kennen lernen wollten. An diesem Abend wurde es etwas später an der Hotelbar, denn wir konnten am nächsten Tag ausschlafen.

24. März: Rückflug

Der letzte Tag ist immer der mühsamste. Man hat meistens schon vor der Zeit gepackt und warten ein erstes Mal in der Hotelhalle auf die Abfahrt. Dann wartet man unendlich lange auf dem Flughafen, denn sicherheitshalber ist man noch früher dort, als man eigentlich müsste. Dann ist man stundenlang im Flugzeugsitz eingeklemmt und schliesslich muss man noch von Kloten nach Hause kommen.
Dann aber ist Freude angesagt. Nicht zuletzt, weil ich nach solchen Reisen immer eine Ferienwoche zu Hause einplane.

Berlin 2011

In einer Grossstadt eine Ferienwohnung mieten? Warum nicht. In Berlin habe ich das erstmals probiert und somit gleich eine ganze Woche in dieser Stadt verbracht. Dank WLAN in der Wohnung, konnte ich meinen Blog tagfertig führen. Hier der Bericht:

Samstag, 21. Mai

Mein erstes Berliner Bier – nichts für Puristen – eine Weisse mit Kirschensaft. Süss-sauer. Passte bestens zur Curry-Wurst, wenn diese etwas schärfer gewesen wäre. Das Ganze auf der Terrasse des neuen Hauptbahnhofes, welcher gerade den fünften Geburtstag feiert. So kam ich am Samstag Abend doch noch zu meinem Begrüssungsfeuerwerk.
Vorher war aber noch die Reise. Der Flug verlief zwar ruhig, aber die Berliner Luft zeigte sich sehr holprig und das Flugzeug wurde beim Anflug noch kräftig durchgeschüttelt. Und bei der Taxifahrt zu meiner Ferienwohnung, durfte ich noch etwas Berliner Stau geniessen. Die Wohnung, ein schönes Studio mit Zugang direkt von der Strasse her. Diese wiederum eine ruhige Quartierstrasse, aber gleich um die Ecke ein Supermarkt, wo ich mich gleich mit dem Nötigsten versorgen konnte.
Weitere wichtige Handlungen waren, ein Veranstaltungsmagazin kaufen und eine Wochenkarte für den ÖV. Da ich nur wenige hundert Meter von der Friedrichstrasse wohne, beschloss ich, mir zum Anfang die Revue im Friedrichstadtpalast zu leisten. Womit die nächsten 55 Euro auch schon weg waren, aber wenn man sieht, welcher Aufwand in so einer Show steckt, versteht man auch den Preis.
Ich war schon vor zwanzig Jahren dort und es hat sich einiges geändert. Die beweglichen LED-Wände gehörten längst auch auf die Theaterbühne; elektronischer Bass und Stimmverfremdung zum Live-Orchester. Eine Mischung von Gesangsnummern, Tanz und Artistik von gut zwei Stunden wurde geboten. Auch die traditionellen Elemente fehlten nicht, nur dass die „Bathing Beauties“ Rockerbräute waren und der Steptanz wurde zu einem spanischen (!) Rap in an Tron erinnernden Kostümen geboten.
Nach der Show machte ich noch einen Spaziergang bis um Brandenburger Tor und dort sah ich dann auch das besagte Feuerwerk.

Sonntag, 22. Mai

Am frühen Morgen in Berlin erwacht. Es ist Sonntag und es ist wie zuhause. Duschen, frühstücken, am Computer hängen. Und schliesslich, sich Gedanken zum Tagesprogramm machen. Erst einmal wollte ich ganz assoziativ herumspazieren, ohne viel Plan.
Ich habe es beinahe vergessen, aber hier in Berlin Mitte bin ich ja auf ehemaligem DDR-Gebiet. Gleich zwei Ecken weiter war die Mauer und so finde ich auch die Mauergedenkstätte an der Bernauerstrasse. Mit Aussichtsturm. Dieser hier ist neu, aber es gab früher auch schon solche Türme, von wo aus die Touristen auf dieses eingezäunte Land schauen konnten. Heute schaut man auf eine Rekonstruktion des Todesstreifens
Mauergedenkstätte
Gleich nebenan ist der Nordbahnhof und dort bestieg ich die S-Bahn und fuhr zum Potsdamer Platz. Der Platz war 50 Jahre lang eine Brache, dann wurde er zum Wolkenkratzerquartier. Darum auch das Sony-Center mit dem überdachten Innenhof. Ich stelle es mit eigentlich nicht sehr angenehm vor, in einem dieser Bürohäuser zu arbeiten, ständig mit Blick auf die Touristen beim Kaffee trinken. Der Bahnhof am Potsdamer Platz ist übrigens auch Teil der neue Nord-Süd-Bahn, die auch durch den Hauptbahnhof geht. So haben auch jene von ausserhalb, die dort arbeiten, direkte Verbindungen. Dieser Achse folgte ich dann auch nach Südkreuz. Dort bestieg ich die Ring-S-Bahn, die die zentralen Stadtteile umkreist. Viel Sightseeing bietet sie allerdings nicht, und so wechselte ich wieder auf eine U-Bahn zum Alexanderplatz. Ich spazierte vom Fernsehturm über die Museumsinsel, traf dort zwei bekannte Herren.
Marx und Engels
Um in ein Museum zu gehen, warte ich noch auf einen Regentag. Einen Blick auf den Ku’Damm wollte ich noch werfen – dem einstigen Zentrum von West-Berlin. Hunger hatte ich auch und so nahm ich am Wittenbergplatz eine Kleinigkeit zu mir (Salat). Dabei wurde ich noch Zeuge einer Anti-AKW-Demo.
In ganz Berlin, auch am Kurfürstendamm reiht sich Baustelle an Baustelle und die Gedächniskirche ist leider eingeschalt. Fürs Abendprogramm wollte ich mir noch Tickets besorgen und fuhr zum Th. Heuss Platz. Dort ist das Theater des Kabaretts Wühlmäuse – am Abend war jedoch eine Show mit einem Magier angesagt. An diesem Platz steht auch das Gebäude des RBB (einst SFB), von woher das Radioprogramm kommt, das ich hier höre. Daneben auch gleich das Messegelände mit dem alten Sendeturm, der leider gerade nicht zugänglich ist.
Am Abend begann es tatsächlich ein klein wenig zu regnen an. Aber ich verbrachte den Abend ja im Theater. Der Magier Desimo ist auch Kabarettist und behandelt in seiner Vorstellung auch esoterische Themen, besonders die Wünschelwichte über die ich auch schon geschrieben habe. Dazwischen zeigte er einige erstaunliche Illusionsnummern. So ging der Sonntag zu Ende.

Montag, 23. Mai

Politische Wirrköpfe haben eine Kabelbrücke bei einer Berliner S-Bahn-Station angezündet. So ist die Berliner S-Bahn einige Tage gestört. Aber ich plante sowieso, mich in erster Linie in Berlin-Mitte zu bewegen.
Als erstes marschierte ich an die nur 15 Minuten von meiner Wohnung entfernten Hackschen Höfe. Ich muss zugeben, ich habe mir etwas Grösseres und Spektakuläreres vorgestellt. Aber immerhin fand ich dort ein Theater und hatte bereits mein Abendprogramm. Ich ging weiter zum Alexanderplatz, aber anstatt auf den Turm zu gehen, entschloss ich mich zu einer kleinen Tramfahrt. Weit in den Osten nach Pankow mit der einen Linie und mit einer anderen zurück. So verging einige Zeit und ich war wieder hungrig. Bei der S-Bahn-Station Hackscher Markt, gleich am Viadukt, bestellt ich mir einen Teller Berliner Buletten.
Berliner Buletten
Dann aber nahm ich die ursprünglich geplante Route in Angriff und fuhr zum Hauptbahnhof. Dort geht es über einen grossen freien Platz zum Regierungsbezirk. Und das erste Gebäude, das man passiert ist  nicht das Kanzleramt, sondern die Schweizer Botschaft. Mittendrin zwischen Hauptbahnhof und Reichstag, zwischen Kanzleramt und dem Bürogebäude der Abgeordneten. Und rundherum viel, viel Platz: das Zeichen der Herrschaft. Selbst die Russen, die „unter den Linden“ auch ein sehr dominantes Botschaftgebäude haben, kommen an das nicht heran.
CH Botschaft mit HB
Die Kuppel des Reichstags ist nur auf Voranmeldung zu besichtigen, so beschränke ich mit darauf, sie von Weitem zu bewundern. Und dann natürlich das Pflichtobjekt, wenn man in Berlin ist:
Brandenburger Tor
Von hier ist man auch recht schnell am Potsdamer Platz. Dorthin musste ich noch – resp. ich musste an den Marlene Dietrich Platz – um ein Ticket für das Musical „Hinterm Horizont“ zu kaufen. Es besteht aus Liedern von Udo Lindenberg. Zum Abschluss des Nachmittags testete ich noch den Weg von meiner Wohnung zum Flughafen Tegel, um an Samstag keine Überraschung zu erleben. Am Flughafen, beim Warten auf den Bus zurück, kostete ich noch eine Berliner Weisse mit Schuss, mit Waldmeister. Das Experiment wird nicht wiederholt.
Am Abend ging ich wieder ins Theater, einer Vorstellung von „Caveman“. Ein Ein-Mann-Stück, wo der Darsteller von Beziehungsgeschichten und dem Bezug zur Vorgeschichte der Menschen erzählt. Recht unterhaltend, aber es zeigte sich in meinen Augen doch, dass darüber langsam alles gesagt ist.
Vielleicht hätte ich auf dem Rückweg doch noch etwas lernen können, warteten auf dem Trottoir etliche willige, aber sicher nicht billige Lehrerinnen.

Dienstag, 24. Mai

Sans Souci
Keine Sorgen haben wollte Friedrich der Grosse, der Preussenkönig. Darum nannte er sein Schloss auch so, wo er schöne Tage mit seinen Kumpels bei Speis und Trank und Philosophie verbrachte. Einer dieser Kumpels war Voltaire. Wenn man den Zweck dieses Schlosses kennt, wundert einen auch nicht mehr, dass es eher klein ist, für das Schloss eines mächtigen Fürsten.
Hiermit ist klar, ich war in Potsdam. Erstmals diese Woche nahm ich eine geführte Tour, mit dem Bus einmal rund um Potsdam und drei Schlösser: Cecilienhof, das neue Palais und eben Sans Souci. Der Führer, ein Potsdamer, zeigte auch die Spuren der DDR-Zeit, darunter die Brücke auf der während des kalten Krieges die Spione ausgetauscht wurden und das KGB-Gefängnis.
Die Tour endete übrigens am Brandenburger Tor:
Brandenburger Tor
Klar, Potsdam ist ja die Hauptstadt von Brandenburg und dieses Tor ist älter als jenes in Berlin.
Man sieht auf dem Bild, dass der Himmel stark bewölkt war und es blies auch ein kühler Wind. So beschloss ich, wieder nach Berlin zurückzufahren und mich in meiner Wohnung aufzuwärmen. Eine unterwegs eingekaufte Kleinigkeit wurde mein Zvieri. Ich musste nur noch den Abend planen.
Ich entschloss mich für die einfachste Variante: dasselbe Theater wie am Vortag, aber natürlich ein anderes Programm. Eine Show mit namens Soap. Tanz und Akrobatik in, um und auf Badewannen. Und diese Requisiten waren zwischendurch auch tatsächlich mit Wasser gefüllt. Nicht nass wurde nur die Sängerin (wäre auch nicht gut, wenn man verkabelt ist). Sie war auch für den „running gag“ verantwortlich, nämlich diverse Klassik-Versionen des alten Schlagers „Pack die Badehose ein“. Eine Clownin sorgte mit Sketches, die natürlich irgendwie mit Baden zu tun hatten, für die Übergänge zwischen den Akrobatiknummern.

Mittwoch, 25. Mai

Heute musste ich erstmals schon morgens mit Jacke aus dem Haus. Die Sonne schien, aber es wehte ein kühler Wind. Ich wollte mir ein paar Quartiere ansehen und begann mit Lichterfelde, weil ich in einem Blog mal eine Schwärmerei darüber gelesen habe. Tatsächlich, ein schöner Bahnhofvorplatz und überall Alleen. Es erinnerte mich an das Thuner Seequartier, nur ohne See und viel grösser. Gleich beim Bahnhof befindet sich interessanterweise die Baseler Strasse. Ob das von einem Namen kommt, oder ob tatsächlich Basel gemeint ist, weiss ich nicht. 
Auf der Rückfahrt kam ich schon zum zweiten Mal diese Woche in eine Ticketkontrolle. Die Kontrolleure kommen zu zweit oder zu dritt. Tragen Shorts und Sommerhemd oder Jeans und Kapuzenjacke. Sie sind unauffälliger als unauffällig. Kaum fährt die Bahn an, verteilen sie sich und zücken den Ausweis. Keine Problem, ich zeige meine Wochenkarte. Heute musste der Kontrolleur schon ein bisschen nachrechnen: Ist 25 kleiner als 21 plus 7? Ja – nicken und weitergehen.
Anhalter Bahnhof
Nach so viel Idylle, zog es mich wieder nach Mitte, resp. zum Anhalter Bahnhof. Hier hält seit Kriegsende kein Zug mehr an und der Name hat auch nichts mit anhalten zu tun, sondern er bezieht sich auf die Provinz Anhalt. Da er in Westberlin liegt und die Bahnlinien nach Ostdeutschland führten, verlor er seine Bedeutung. 
Ich wanderte von dort zum Checkpoint-Charlie, die Dokumentationsstätte zum Nazi-Terror liess ich aus, Geschichtsunterricht hatte ich in dieser Richtung schon genug. Dann durch die Rudi Dutschke Strasse, wo sich taz-Gebäude und Springer in feindlicher Nachbarschaft gegenüberstehen. Schliesslich kreuz und quer durch Kreuzberg, wo ich eine Rösti-Bar namens Helvetia entdeckte. Ich zog es aber vor in einem indischen Restaurant zu essen – gut und günstig. Als Verdauungsspaziergang ging ich durch den Görlitzpark. Dort standen zwei junge Leute mit Kamera und Mikrofon und interviewten Passanten. Auch mich. Fühlen Sie sich jugendlich? Was mach Jugend aus? Was halten Sie von der heutigen Jugend? Wo das gesendet wird und ob sie mich zeigen, werde ich nie erfahren.
An der Spree angekommen, wollte ich noch eine Skulptur näher anschauen, die im Fluss steht. Sie steht vor einem Bürokomplex in Treptow, der sich – Achtung Wortspiel – Treptower nennt. So sah ich dort nach dem „Walking Man“ in München und dem „Hammering Man“ in Basel auch die „Molcular Men“ in Berlin.
Molecular Men
Die Zeit vergeht schneller als man denkt und so musst ich mich beeilen zurück in die Wohnung zu kommen um mich für den Abend frisch zu machen. Das Musical „Hinterm Horizont“ begann schon um 19 Uhr. Eine Geschichte um und mit Musik von Udo Lindenberg. Es handelt von einer fiktiven Liebesgeschichte Lindenberg mit einer jungen Frau namens Jessie, über die er ein Lied geschrieben hat, die er bei seinem legendären Konzert in Ost-Berlin kennenlernt. Die Handlung beschreibt vor allem das Leben einer durchschnittlichen DDR-Familie, von Flucht und Verrat und schliesslich vom Fall der Mauer. Die letzte Szene spielt schliesslich in der Gegenwart, wo Jessie Udo schliesslich ihren und seinen Sohn vorstellen kann. Mich hat erstaunt, dass Lindenberg diesem Plot zugestimmt hat, er hat ja keine Kinder – aber vielleicht gerade darum. Wieder ein gelungener Abend.

Donnerstag, 26. Mai

Über Madrid gibt es den Spruch: „Madrid me mata“. Aber nicht nur Madrid, jede Grossstadt bringt einen um, wenn man sie in kurzer Zeit vollen auskosten will, auch Berlin. Kürzer treten und mehr Pausen machen, ist darum für mich die Devise der letzten Tage meines Berlin-Besuches.
Als erstes fuhr ich noch einmal nach Kreuzberg und dort auf den Kreuzberg, der höchsten Erhebung von Berlin. Auf dem Gipfel befindet sich das Siegesdenkmal, das an Schlachten Preussens erinnert und auf der einen Seite fliesst ein „Bergbach“ hinunter. Ich nehme stark an, das steckt eine Pumpe dahinter.
Bergbach vom Kreuzbern
Ich blieb bei „Berg“ und nahm die S-Bahn quer durch die Stadt nach dem Quartier Prenzlauer Berg. Diese Gegend ist stark wegen der sogenannten Gentrifizierung im Gerede. Damit ist die Umwandlung eines Familien und Arbeiterquartiers in eine hippe Wohngegend für gut Verdienende. Was ich sah, waren tatsächlich lange Häuserreihen, 4 bis 5-stöckig, alles renoviert. Viele Restaurants und Kaffees die gerade öffneten, aber kaum Läden.
Nächste Station war der Tiergarten; nicht der Zoo, sondern der Park. Viele Waldwege und mittendrin ein Strassenkreuz und dort wiederum die Siegessäule mit der Goldelse, wie die Berliner der goldenen Siegesgöttin auf der Säule sagen. D.h., sie sagen „Joldelse“. Als ich das erstmals geschrieben sah, las ich erst „Jodelelse“.
Joldelse
Jetzt war aber eine Pause angesagt. Ich hätte mich zu den Nackten auf den Wiesen gesellen können, da ich aber nicht so gerne an der Sonne liege, ging ich zum Gartenrestaurant an der Schleuse zum Landwehrkanal um mich mit einem Bier und einer Bretzel zu stärken. Danach ging ich weiter zum Bahnhof Zoo und zum Ku’Damm-Eck. Vor zwanzig Jahren war hier noch das Zentrum von Westberlin. Heute wird dort wie wild gebaut und in ein paar Jahren sieht es wohl wieder anders aus. Den Abschluss des Spazierganges bildete noch ein Besuch in der Feinschmeckerabteilung des KaWeDe, des Kaufhauses des Westens.
Von der Warschauerstrasse fährt in Tram zum Nordbahnhof, was noch eine gemütliche Rückkehr bedeutet hätte. Aber kaum hatte ich die U-Bahn Richtung Warschauerstrasse bestiegen, konnte ich schon wieder aussteigen. Die Strecke war wegen eines Bombenfundes – diesmal eine aus dem 2. Weltkrieg – unterbrochen.
Am Abend für einmal kein Theaterbesuch. Anfangs Woche hatte ich eine Mitteilung von Thomas bekommen, er sei kurzfristig nach Potsdam geschickt worden. So verabredeten wir uns zu einem Bier und hatten einen gemütlichen Abend.

Freitag, 27. Mai

Gemütlich und ohne grosse Vorsätze startete ich den letzten Berlin-Tag. Ich musste mit Schrecken feststellen, dass ich das viel beachtete und umstrittene Holocaust-Mahnmal noch gar nicht gesehen hatte. Zwar marschierte ich schon vom Brandenburger Tor zum Potsdamer Platz, aber auf der falschen Strassenseite. Hier also der Blick auf die Lego-Steine, pardon, die Stelen.
Holocaust Mahnmal
Man kann zwischen ihnen hindurchgehen und das Ganze wäre eigentlich recht lustig und ideal zum Verstecken spielen, wenn der Hintergrund nicht so traurig wäre.
Danach flanierte ich durch die Prachtsstrasse „unter den Linden„, die hinter dem Brandenburger Tor mit dem Pariser Platz beginnt. Klar, dass an diesem Platz die französische Botschaft sein muss – aber auch die der USA. In einer Nebenstrasse folgt die Britische und dann, mächtig und dominant, die russische.
Als schönster Platz Berlins gilt bei vielen der Gendarmenmarkt. Eigentlich kein richtiger Platz, sondern einfach ein Leerraum zwischen einem Konzerthaus und zwei Domen – dem deutschen und dem französischen. Letzterer erinnert an die Hugenotten, die in Preussen Zuflucht fanden.
Ich hatte mir vorgenommen, im taz-café eine Kleinigkeit zu essen und ging deshalb weiter zur Rudi-Dutschke-Strasse. Es war die TAZ, die dies Strassenbenennung erreicht hatte, sehr zum Ärger des Axel Springer Verlags, der seinen Konzernsitz an derselben Strasse hat. Sie verlegten deshalb den Haupteingang an eine Querstrasse und erreichten ihrerseits die Umbenennung dieser Strasse in Axel-Springer-Strasse.
Ich nahm das Thema vom Anfang wieder auf und ging ins jüdische Museum. Mein einziger Museumsbesuch, in dieser Reise. Es geht dort ums jüdische Leben allgemein und die Geschichte der Juden seit dem Mittelalter. Natürlich auch die Geschichte des Antisemitismus.
Ebenfalls fast vergessen hätte ich die Eastside-Gallery – 1300 Meter Mauer, die von Künstlern bemalt wurde.
Westside Gallerie
Schliesslich holte ich noch die Tramfahrt nach, die ich gestern nicht machen konnte. Ein nützliche Idee, denn so fand ich auch gleich heraus, dass ich dieses Tram zur Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg bringt. Ich stieg noch aus, die Kulturbrauerei zu besichtigen. Ein grosser Gebäudekomplex, etwa wie die Gurtenbrauerei, in dem jetzt Läden und Veranstaltungslokale drin sind. Auch ein Kino.
Also ging ich am Abend noch ins Kino. Ich wollte schon lange diese Terroristen-Kommödie „Four Lions“ sehen. Eine Stunde lang war der Film auch recht lustig, dann aber kippte er. Er endet mit einem Totentanz, der einen eher verstört als belustigt hinterlässt. Ich hörte beim hinausgehen niemanden reden.

Samstag, 28. Mai

Der Samstag bestand nur noch aus frühstücken, aufräumen und packen. Ab zum Flughafen Tegel. Leider hat TXL, die sein Kürzel lautet, keinen zentralen Check-In, so dass man vor dem Gate warten muss, bis der vorherige Flug abgefertigt ist. Für einen chronischen zu-früh-Kommer wie mich eine lästige Sache. Ansonsten lief alles bestens und nur vier Stunden nach dem Abflug sass ich in Thun auf dem Mühleplatz und feierte meine Heimkehr mit einer Portion Pouletflügeli.

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